Weltweit gibt es immer weniger Insekten. Das ist eine Gefahr für unsere Ökosysteme. Die Ursachen dieses Insektensterbens sind vielfältig und schwierig zu erforschen. Was helfen könnte: Citizen Science, also Wissenschaft zum Mitmachen. Ein Vortrag des Schmetterlingsforschers Matthias Nuß.

Natur tut uns gut. Wenn wir im Wald spazieren gehen oder durch Wiesen schlendern, dann reduziert das unseren Stress. Doch viele Menschen wohnen in der Stadt und immer weniger Leute können Tier- oder Pflanzenarten richtig erkennen und bestimmen.

"Immer mehr Menschen leben in der Stadt und sind von der Natur entwurzelt."
Matthias Nuß, Schmetterlingsforscher

Das ist nicht nur ein Problem der Allgemeinbildung. Auch Universitäten haben Schwierigkeiten, Wissenschaftler*innen zu finden, die tiefgehende Artenkenntnisse haben. Matthias Nuß ist Insektenforscher und leitet den Bereich Schmetterlinge am Senckenberg Museum für Tierkunde Dresden. In der Insektenforschung werden Expert*innen dringend gesucht, sagt Matthias Nuß.

"Wo kriegen wir Artenkenner*innen her? Wir haben gesehen, dass es immer weniger Spezialisten in der Insektenkunde gibt."
Matthias Nuß, Schmetterlingsforscher

Wir brauchen Menschen, die sich mit Insekten auskennen, sowohl in der Wissenschaft als auch allgemein in der Bevölkerung, erklärt Matthias Nuß. Nur dann kann es uns gelingen, Bewusstsein für die Wichtigkeit von Insekten zu schaffen und die Ursachen für ihren Rückgang zu erforschen.

"Nur diejenigen, die Artenkenntnis haben, können dieses Wissen auch weitergeben."
Matthias Nuß, Schmetterlingsforscher

Citizen Science revolutioniert Insektenforschung

In seinem Vortrag erklärt Nuß, warum Citizen Science dafür eine entscheidende Rolle spielt. Citizen Science, das sind wissenschaftliche Mitmachprojekte, an denen sich jede und jeder Interessierte beteiligen kann. Eine wichtige Rolle für den Erfolg solcher Projekte spielen digitale Technologien.

"Die digitale Makrofotografie hat die Insektenkunde revolutioniert.
Matthias Nuß, Schmetterlingsforscher

Mit Smartphones können wir heute zum Beispiel auch sehr kleine Insekten mit großer Detailgenauigkeit aufnehmen. Die Fotos lassen sich über Apps hochladen und können anschließend wissenschaftlich ausgewertet werden. Je mehr Menschen mitmachen, desto größer und wissenschaftlich wertvoller wird die Datenmenge.

"Ich kann Insekten mit dem Smartphone fotografieren, ich kann von Heuschrecken den Gesang aufnehmen, und diese Beobachtungen über eine App melden."
Matthias Nuß, Schmetterlingsforscher

Matthias Nuß hat selbst mehrere Citizen Science Projekte angestoßen und umgesetzt, zum Beispiel eine Glühwürmchenprojekt. Davon erzählt er in seinem Vortrag.

Der Vortrag von Matthias Nuß hat den Titel "Vom Insektenmonitoring zur Pflege von Insektenwiesen und zurück. Wirkungskraft von Citizen Science in der Gesellschaft". Er hat ihn am 8. Juni 2022 online gehalten für die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.

  • Hörsaal
  • Moderatorin:  Sibylle Salewski
  • Vortragender:  Matthias Nuß, Schmetterlingsforscher, Senckenberg Naturhistorische Sammlungen Dresden