Ein Kunsthändler hat wohl einen bislang unbekannten Rembrandt entdeckt. Stil, Material, Herkunft - vieles spricht dafür, dass das Kunstwerk echt ist.

Der niederländische Kunsthändler Jan Six hat wohl ein Händchen für sowas: Schon einmal hat er ein unbekanntes Werk des holländischen Meisters Rembrandt (1606 - 1669) entdeckt. Nun wieder. Es heißt "Lasset die Kindlein zu mir kommen" und soll ein Frühwerk des Malers sein.

2014 hat der Kunsthändler das Gemälde bei einer Auktion ersteigert, für 1,5 Millionen Euro, obwohl der Schätzwert viel niedriger lag.

"Das Bild lag bei einem Schätzpreis zwischen 10.000 und 15.000 Euro. Ersteigert hat es Jan Six aber für 1,5 Millionen. Er muss also schon geahnt haben, das könnte was Teureres sein."
Stefan Koldehoff, Dlf-Nova-Kunstexperte

Ein wichtiges Indiz für die Echtheit des Gemäldes: Eine der abgebildeten Figuren soll ein Selbstporträt Rembrandts sein. Doch es gibt noch weitere Kriterien, nach denen man die Echtheit des Bildes bestimmen kann, erklärt Stefan Koldehoff, unser Dlf-Nova-Kunstexperte.

Woran Experten ein echtes Gemälde erkennen:

1. Der Stil: Hat oder hätte der Künstler so gemalt?

2. Das Material: Passen die Farben zu der Zeit? "Da gibt es sehr feine Untersuchungsmethoden", sagt Stefan Koldehoff.

3. Die Herkunft: Taucht das Bild schon in alten Katalogen auf? Gibt es Rechnungen oder beschreibt es jemand in Briefen?

"Es gibt Rembrandt-Bilder, bei denen wird seit 10 oder 20 Jahren nach der Echtheit geforscht. Lohnt sich aber auch, denn es ist viel Geld im Spiel."
Stefan Koldehoff, Dlf-Nova-Kunstexperte

Ein führender Rembrandt-Experte, so Stefan Koldehoff, sei bereits von der Echtheit des Gemäldes überzeugt. Das Problem speziell bei Rembrandt: Der Künstler hatte bis zu 50 Schüler in seinem Atelier, die teils für ihn arbeiteten: "Der eine malte nur die Hintergründe, der andere die Gewänder", sagt Stefan Koldehoff. Rembrandt setzte aber unter all diese Bilder seine Signatur.

"Rembrandt hat alles signiert - egal, ob es nun er oder die Schüler gemalt haben."
Stefan Koldehoff, Dlf-Nova-Kunstexperte

Echte Experten könnten anhand einer Augenbraue oder einer Gewandfalte erkennen, ob nun Rembrandt selbst den Pinsel führte oder eben einer seiner Schüler, so Stefan Koldehoff. Das neu entdeckte Gemälde sei sicher rund 3 bis 4 Millionen wert, schätzt er.