Es gibt ihn: Diese Art Lachschalter. Ein Witz, eine lustige Situation, und wir müssen spontan lachen. Der Schalter ist umgelegt. Aber wir können auch kontrolliert lachen. Wachoperationen liefern Antworten dazu.

Um das Lachen besser zu verstehen, werteten zwei Wissenschaftlerinnen aus Italien und Großbritannien Berichte vor allem von Operationen bei Epilepsie-Patient*innen aus. Die Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachmagazin Trends in Neuroscience.

Stimulation von Gehirnregionen

Epilepsie lässt sich teils operativ behandeln, sagt Claudia Neumeier aus unserer Wissenschaftsredaktion. Für einen solchen Eingriff müssen Mediziner*innen wissen, welche Hirnregionen für die Epilepsie verantwortlich sind. "Das findet man heraus, indem man Bereiche des Gehirns nacheinander elektrisch stimuliert", sagt Claudia Neumeier.

"Epilepsie kann man manchmal operativ behandeln. Dafür muss man wissen, welche Hirnregionen für die Epilepsie verantwortlich sind."
Claudia Neumeier, Deutschlandfunk-Nova-Wissensredaktion

Diese elektrische Stimulation passiert oft in Vorabeingriffen, während die Patient*innen wach sind. Damit sie berichten können, was sie empfinden. Diese Wachoperationen sind möglich, denn das Gehirn selbst hat keine Schmerzrezeptoren, so Claudia Neumeier.

Lachen mit und ohne Euphorie

Als Folge der Stimulation müssen Patient*innen teils lachen. Sie konnten dann direkt mitteilen, wie sie sich dabei fühlten. Teils mussten sie lachen und waren auch direkt besser drauf, teilweise sogar euphorisch, so Claudia Neumeier. Teils mussten sie zwar auch lachen, aber ohne positive Gefühle on top. Das geschah in Abhängigkeit von verschiedenen Gehirnregionen.

Die Forschenden konnten so zwei Arten von Lachen unterscheiden:

  • Das spontane und teils auch unkontrollierbare Lachen, der klassische Lachanfall. Diese Art des Lachens findet in Hirnregionen statt, die mit motorischer Steuerung und Emotionsregulation zu tun haben.
  • Das bewusst kontrollierte Lachen. Dieses willentliche Lachen passiert in Hirnregionen, die ausschließlich mit der Motorik des Lachens zu tun haben. Zum Beispiel, wenn wir die Mundwinkel hochziehen. Bei diesem kontrollierten Lachen sind keine Emotionsbereiche des Gehirns beteiligt. Die Hirnregionen überlappen aber mit solchen, die mit Sprache zu tun haben.

Warum wir zwei Arten des Lachens haben, das lässt sich nur vermuten. Vielleicht dient das willentliche Lachen eher einem Zweck, zum Beispiel zur zusätzlichen Kommunikation in Gesprächen.

Das spontane Lachen könnte evolutionär schon viel früher entstanden sein. "Und zwar, um Aggressionen zu verhindern und um soziale Bindungen zu stärken", sagt Claudia Neumeier. Das passt zu Beobachtungen bei einigen Säugetieren: Manche geben etwas Ähnliches wie Lachen von sich, wenn sie sozial miteinander interagieren.

Shownotes
Gehirnregionen
Wir können auf zwei Arten lachen
vom 24. Juni 2026
Moderatorin: 
Lena Mempel
Gesprächspartnerin: 
Claudia Neumeier, Deutschlandfunk-Nova-Wissensredaktion