Das gute Abschneiden der rechtspopulistischen Partei AfD hat viele geschockt, doch die jüngsten Landtagswahlen zeigen auch positive Entwicklungen: Die Wahlbeteiligung hat wieder zugenommen - und offenbar auch die Lust auf politische Auseinandersetzung.

In allen drei Bundesländern, in denen am vergangenen Sonntag gewählt wurde, hat es die rechtspopulistische Partei AfD auf Anhieb in die Landtagsparlamente geschafft - in Sachsen-Anhalt wurde die "Alternative für Deutschland" mit 24,2 Prozent sogar zweitstärkste Kraft hinter der CDU.

Im Netz reagierten viele geschockt auf dieses Ergebnis genauso wie einige junge Wähler, die unser Reporter Fabian Brenner in Halle an der Saale getroffen hat: "Ziemlich Scheiße das mit der AfD", war zum Beispiel eine Aussage. Andere waren mit dem guten Abschneiden der AfD aber auch zufrieden und erhoffen sich nun, "dass auch mal was wahr wird von den Versprechen der Politiker".

Höhere Wahlbeteiligung und mehr politisches Interesse

Ein anderer Hallenser konstatierte nüchtern: "Wir sind eine Demokratie, das muss man jetzt erst mal akzeptieren." Das sieht auch Martin Florack von der Universität Duisburg-Essen so und nicht nur das - der Politikwissenschaftler liest aus dem Ausgang der Landtagswahlen auch zwei für ihn eindeutig positive Entwicklungen ab: Den Anstieg der Wahlbeteiligung und - damit einhergehend - ein offensichtlich größeres politisches Interesse.

"Die Lust an der politischen Auseinandersetzung wird uns in den nächsten Wochen begleiten und hoffentlich auch die etablierten Kräfte in der Politik dazu animieren, mal wieder über ihre Positionen nachzudenken."
Martin Florack, Politikwissenschaftler an der Universität Duisburg-Essen

Im Zuge der Flüchtlingskrise und mit dem Erstarken der AfD in den letzten Monaten hat Martin Florack beobachtet, dass es in Deutschland endlich wieder einen Streit um gegensätzliche Positionen gibt, der auch öffentlich ausgetragen wird: "Da sehe ich schon einen Unterschied zu Zeiten, in denen wir mit Alternativlosigkeit und überbordendem Pragmatismus konfrontiert gewesen sind."

"Streit, Konkurrenz und Diskussionskultur gehörten zur Demokratie eben einfach dazu."
Martin Florack, Politikwissenschaftler an der Universität Duisburg-Essen

In dieser Stimmung hat es die AfD geschafft, auch Menschen zu mobilisieren, die beim letzten Mal nicht zur Wahl gegangen sind. Martin Florack hält es für möglich, dass dies in Zukunft auch etablierten Parteien wieder verstärkt gelingen kann - als eine Art Gegenbewegung von Menschen, die sich dem Erfolg der AfD entgegenstellen wollen.

Jetzt muss die AfD liefern

Auch gut findet Martin Florack, dass die noch recht junge Partei nun gezwungen ist, sich in den Landesparlamenten politisch konstruktiv zu verhalten: "Vorher konnten sie quasi Blankoschecks ausstellen, die nicht gedeckt waren - jetzt muss die AfD beweisen, dass sie auch politikfähig ist."