Die App Leavy hilft reisefreudigen Millennials, Geld zu verdienen, während sie unterwegs sind. Dafür vermietet sie unter anderem die Wohnung der Verreisten. Jetzt hat Leavy 14 Millionen Dollar Startkapital für die internationale Expansion eingesackt – nach Angaben des Unternehmens ist das das höchste Investment in ein Travel-Start-up weltweit.

Bisher gab es die in Frankreich erdachte Reiseapp Leavy für die Städte Paris, Amsterdam, London, Madrid, Rom und Lissabon. Mithilfe der 14 Millionen Dollar Risikokapital sollen jetzt viele weitere Städte dazukommen, unter anderem auch in Deutschland und den USA.

Über die App lassen sich Flüge in diese Städte buchen und im Anschluss dann gleich ein passendes Appartement dazu – und zwar von Leuten, die zu dieser Zeit gerade selbst auf Reisen sind. Auch "Experiences" wie etwa "Macarons machen in Paris" kann man gleich mitordern.

"Leavy ist eine Art Mischung aus Reisebüro, Airbnb und guten Freunden."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Was Leavy macht, geht weit über den Bereich der Reiseorganisation hinaus. Das Unternehmen will den Reisenden nämlich auch dabei helfen, die Reise überhaupt erst zu finanzieren. Deshalb gibt es die Mieteinnahmen schon bei Reiseantritt als Vorschuss – egal, ob die Wohnung vermietet wurde oder nicht.

Mieteinnahmen schon bei Reiseantritt

Wer also zum Beispiel aus Amsterdam kommt und für drei Monate eine große Asien-Rundreise machen möchte, kann sein Appartement in Amsterdam an Leavy übergeben – und bekommt dann von dem Unternehmen im Voraus die gesamte Miete für die komplette Zeit ausgezahlt. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Wohnung dann auch für die gesamte Zeit vermietet wird oder nicht.

Leavy kümmert sich um sogenannte "Hosts-on-Demand". Im genannten Beispiel wäre das eine Person aus Amsterdam, die sich ein bisschen Geld dazuverdienen will und im Auftrag von Leavy die Wohnung des Verreisten in dessen Abwesenheit verwaltet: Gäste reinlassen, Wohnung zeigen, Wohnung reinigen. Für diese Jobs bekommt der Host-On-Demand dann Geld von Leavy. Am Ende ist das im besten Fall eine Art Win-Win-Situation für alle, sagt unsere Netzreporterin.

"Das ist eine Art Win-Win Situation für alle."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Der Gast bekommt (im besten Fall) eine günstige Unterkunft, der Host-On-Demand kann Geld verdienen, der Reisende kann mit den Einnahmen seine Reise finanzieren. Und Leavy streicht seine Provision ein. Inwiefern sich das dann in der Realität auch tatsächlich beweist, muss sich natürlich noch zeigen.

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Wie viel Geld der Reisende für seine Unterkunft bekommt, entscheidet ein Algorithmus. Dieser orientiert seine Preisgestaltung unter anderem an der Vorlaufzeit und der Nachfrage in der entsprechenden Stadt. Typischerweise liegt der Preis ein bisschen unter dem, den man bei Airbnb bekommen würde, sagt unsere Netzreporterin.

Algorithmus bestimmt Miete

Dafür haben die Reisenden aber auch weniger Verwaltungsaufwand und vor allem die Garantie, dass sie auch wirklich für die gesamte Reisezeit Mieteinnahmen bekommen. Zudem gibt es bei Leavy noch eine Art Bonus-System. Für alle Buchungen sammelt man sogenannte Leavy-Coins. Auch, wer Freunde zur App einlädt, andere Nutzer mit tollen Städtetipps inspiriert oder seine schönsten Reiseerinnerungen postet, bekommt welche.

Wachstum ist für das Start-up momentan das Allerwichtigste, sagt Martina Schulte. Bisher scheint das gut zu funktionieren: Wie techcrunch berichtet, hat Leavy bereits 65.000 User, 60 Prozent davon sind weiblich. Seit ihrem Start 2017 ist die App kontinuierlich um 30 Prozent gewachsen, inzwischen hat sie über 100 Angestellte auf sechs Kontinenten. Es sieht so aus, als hätte Leavy das Zeug dazu, eine europäische Antwort auf Airbnb zu werden, glaubt unsere Netzreporterin.