Der Neuropsychologe Frank Rösler spricht über frühkindliche Sozialisation. Der Mediziner Lukas Radbruch hält einen Vortrag über Palliativversorgung in Deutschland.

Eine Gesellschaft kann bekanntermaßen nur dann funktionieren, wenn deren Mitglieder sich bis zu ihrem Tod an gewisse Spielregeln halten. Aber auch Kreativität, Intelligenz und Motivation sind gefragt. Frank Rösler erklärt, wie die Grundlagen dafür in der frühen Kindheit gelegt werden.

Die Prägung beginnt schon im Mutterleib, so der Neuropsychologe Frank Rösler. Bis zum sechsten Lebensjahr entscheidet sich in aller Regel, ob ein junger Mensch später Erfolg haben wird oder nicht. Langzeitstudien decken sich kurioserweise mit den Klischees aus der Bevölkerung: Kinder aus Familien in prekären Verhältnissen haben eine viel geringere Chance auf gesicherte Lebensverhältnisse als solche, die aus einem gut geregelten Elternhaus kommen.

"Positive Umwelteinflüsse unterstützen, negative Umwelteinflüsse beeinträchtigen die volle Entfaltung des Entwicklungspotenzials."
Frank Rösler, Neuropsychologe

Nach Frank Rösler wirken Umwelteinflüsse und Genetik dabei unentwegt zusammen. Keineswegs ist es so, wie man noch vor einigen Jahren glaubte, dass immer nur die Genetik darüber bestimmt, was einen Menschen prägt und wie sich dieser entfaltet. Inzwischen ist nachgewiesen, dass sich bestimmte Erfahrungen, die wir in unserer Umwelt machen, ins Erbgut einschleichen. Mehr noch: Sie können sogar weitervererbt werden.

Palliativ-Medizin für Sterbende und Angehörige

Lukas Radbruch begleitet am Bonner Malteser-Krankenhaus die so geprägten Menschen in den letzten Stunden, Tagen und Wochen am Ende ihres Lebens. Als Palliativmediziner hat er die Aufgabe, es nicht nur den unheilbar Kranken noch so schön wie möglich zu machen, sondern auch den Angehörigen.

"Palliativmedizin verkürzt nicht das Leben."
Lukas Radbruch, Palliativmediziner

Alle Altersgruppen haben unterschiedliche Bedürfnisse und Fragen. Auf all das gehen die Mediziner ganzheitlich ein. Ein Beispiel: Auch Tiere spielen eine unterstützende Rolle. Mit einem Schmunzeln berichtet Radbruch, sein Krankenhaus habe sogar schon einmal ein Pferd auf die Station geholt.

Frank Rösler, Neuropsychologe an der Universität Hamburg, erforscht die Leistungen des Gehirns, unter anderem wie es die Wahrnehmung steuert, die Aufmerksamkeit, das Gedächtnis, die Handlungskontrolle oder wie es Entscheidungen trifft. Rösler gilt als Mitbegründer der "kognitiven Neurowissenschaften".

Lukas Radbruch ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, forscht und lehrt am Universitätsklinikum Bonn und arbeitet dort am Malteser-Krankenhaus mit Sterbenskranken. Er versucht zu ergründen, was Menschen am Ende ihres Lebens brauchen, hilft ihnen dabei persönlich und gibt sein Wissen an künftige Ärzte und Pflegekräfte weiter.

Gesprochen haben beide auf der Jahresversammlung der Leopoldina im September 2018, der Nationalen Akademie der Wissenschaften in Halle an der Saale. Die Leopoldina feierte damit zehn Jahre Politikberatung.


Weiterführende Links:
Stellungnahme der Leopoldina zur Palliativersorgung (2015)

Stellungnahme der Leopoldina zur Frühkindliche Sozialisation (2014)