Lebenslänglich bedeutet in Deutschland mindestens 15 Jahre Haft. Das verändert Menschen. Johnny sitzt seit 13 Jahren. Wir haben ihn besucht. Er hat sich von der Welt entfernt.

Johnny ist einer von etwa 2000 Menschen, die in Deutschland eine lebenslängliche Haftstrafe absitzen müssen. Seine Zelle liegt im Wohntrakt D der JVA Geldern. DRadio-Wissen-Reporter Dominik Peters hat ihn besucht. Vor den großen Stahltoren, hatte er den ersten krassen Eindruck: Tristesse in Beige.

"Ich bin jetzt 52 Jahre alt und habe lebenslänglich mit Schwere der Schuld bekommen. Für ein Kapitaldelikt - Mord."
Johnny ist Häftling in der JVA Geldern

Im Knast liegt Zelle an Zelle. Ganz hinten rechts ist die von Johnny. Der begrüßt Dominik Peters mit den Worten: "Wo möchten Sie sitzen - das ist mir ehrlich egal." Seit 13 Jahren lebt Johnny auf achteinhalb Quadratmetern: Toilette, Waschbecken, Pritsche und ein Schreibtisch. Keine Variation. Johnny war in Drogengeschäfte verwickelt, verrät später der Knastleiter. "Dabei ist leider einer ums Leben gekommen", erklärt Johnny. Mehr sagt er nicht zu den Gründen seines Aufenthalts.

Justizvollzugsanstalt in Geldern.

An seiner Zellenwand hängen Bilder der Kölner Hohenzollernbrücke. Unzählige Liebesschlösser hängen heute da. Als Johnnys noch frei war, hing da nichts. Von dem Brauch weiß der nur aus dem Fernsehen und von seinem Sohn. Als seine Frau ihn besucht und ihm den Laptop mit Bildern hinstellt, weiß er nicht, wie er ihn bedienen soll.

"Als Johnny 2002 eingefahren ist, stand der Las-Ketchup-Song auf Platz eins der Charts und der Bundeskanzler hieß Gerhard Schröder."
DRadio-Wissen-Reporter Dominik Peters

Fernsehen, Zeitung und Radio bringen das Leben von draußen in den Knast. Für Johnny nicht. Für ihn sind es bloß laufende Bilder, die er teilnahmslos ansieht. Auf ihn wirkt das alles irgendwie nur halb realistisch - weil er keinen Einfluss auf die Welt draußen hat. Draußen ist auch durch das Zellenfenster nicht zu sehen. Der Blick endet an einer sechs Meter hohen Gefängnismauer.

"Ich hab in diesem Moment nichts wahrgenommen. Das verarbeitest du nachher in der Zelle ganz alleine: die Hektik, der Weitblick, die Straßen. Wie im Film, als ob ich nur der Zuschauer bin. Die totale Reizüberflutung."
Johnny über seine ersten Freigängen

Johnny hat sich damit abgefunden, dass er die nächsten vier bis sechs Jahre in seiner Zelle Einschlafen und Aufwachen wird. Johnny glaubt: "Die Leute draußen werden mit der Situation auch nicht besser fertig, als wir hier drinnen."