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Unsere Persönlichkeit entwickelt sich von Kindheit an. Wie können wir sie verändern, wenn wir das Gefühl haben, dass es gut für uns wäre? Leyo erzählt, wie sie es geschafft hat. Tipps, wie es gelingt, uns zu verändern, geben zwei Expertinnen.

Leyo ist 18 und war vor ein paar Jahren noch sehr schüchtern und unsicher. In der Schulklasse oder anderen Gruppen oder bei Treffen mit vielen Menschen bekam sie kein Wort heraus. Sie war so zurückhaltend, dass sie große Schwierigkeiten hatte, Freundschaften zu schließen.

Diese Schüchternheit störte sie so sehr, dass sie daran etwas ändern wollte. Die Hoffnung: mehr Freundinnen und auch auch mehr Erfolg – zum Beispiel in der Schule durch eine bessere mündliche Mitarbeit.

Leyo in einem Kleid bei Abendsonne am Strand. Im Hintergrund ist das Meer.
© Leyo / Claudius Firle
Leyo in einem Kleid bei Abendsonne am Strand. Im Hintergrund ist das Meer.

Wie aber die Schüchternheit überwinden? Als erstes hat sie sich Leyo eine Liste gemacht mit all den Dingen, die sie verpasst hatte wegen ihrer Schüchternheit. Danach hat sie diese Liste Schritt für Schritt abgearbeitet, erzählt sie.

"Das allererste, was ich umgesetzt habe von den Dingen, die auf der Liste standen, war allein ins Café gehen."
Leyo war schüchtern und unsicher und wollte das ändern

Ihr erster Schritt war, allein ins Café zu gehen. Leyo setzte sich allein an einen Tisch und bestellte sich etwas. "Irgendwann hatte ich das Selbstbewusstsein, wirklich alleine mein Ding zu machen," erzählt Leyo. Und über dieses Selbstbewusstsein hat sie mehr und mehr zu sich gefunden. Das hat dann die ihre eigentliche Veränderung bewirkt, erinnert sie sich.

Schritt für Schritt zu mehr Selbstbewusstsein

Früher hatte sie sich einfach zu Leuten auf dem Pausenhof gestellt, um nicht allein herumzustehen. Mit der Zeit erkannte sie dann, dass es nicht schlimm ist, Dinge allein zu machen oder allein zu sein. Mit ihrem neuen Selbstbewusstsein und der neuen Selbstsicherheit fand sie dann tatsächlich Freundinnen.

"Die tatsächliche Veränderung, dass ich dann doch Freunde hatte, die wirklich Lust auf mich hatten, mit denen ich perfekt klarkam, kam dann wirklich, als ich mich selber gefunden habe."
Leyo war schüchtern und unsicher und wollte das ändern

Bei diesem Veränderungsprozess hat Leyo mal schnell Erfolg gehabt, manchmal waren die Schritte auch zäh – aber es war immer eine Entwicklung nach vorne zu mehr Selbstsicherheit, erzählt sie.

Die Forschung geht inzwischen davon aus, dass sich unsere Persönlichkeit über unser gesamtes Leben hinweg verändert und nicht auf einen bestimmten Entwicklungsstand festgefroren ist, sagt Persönlichkeitsforscherin Wiebke Bleidorn, die am Psychologischen Institut der Uni Zürich lehrt. Studien zeigen demnach, dass Personen, die motiviert sind, an ihrer Persönlichkeit zu arbeiten, sich tatsächlich nachhaltig verändern könnten.

Neben unserer eigenen Motivation oder dem Leidensdruck, uns verändern zu wollen, gibt es zudem vermutlich auch genetische Bedingungen, die unsere Persönlichkeitswerdung beeinflussen, sagt Wiebke Bleidorn. Diese Veränderungen finden wohl meist im jungen Erwachsenenalter statt. Ganz eindeutig sei die Studienlage da aber noch nicht.

Persönlichkeit lässt sich verändern

Denn es spielen verschiedene Faktoren ein Rolle, die sich schwer voneinander trennen lassen: neben genetischen Einflüsse wirken auch äußere wie etwa die erste Partnerschaft, die Geburt eines Lindes oder der Berufseinstieg.

Meist finden solche Ereignisse im jungen Erwachsenenalter statt, und wirken sich somit auch auf die Persönlichkeit aus, sagt die Forscherin. Denn sie zwingen uns, alte Routinen zu verlassen und uns an neue Gegebenheiten anzupassen. Neue Eigenschaften sind plötzlich gefragt wie etwa Zuverlässigkeit oder Gewissenhaftigkeit. Solche verhaltensbezogenen Eigenschaften ließen sich gut einüben, meint Wiebke Bleidorn.

"Die Trends sagen, dass die meisten emotional stabiler, verträglicher, ordentlicher werden, sich besser organisieren können."
Wiebke Bleidorn, Persönlichkeitsforscherin am Psychologischen Institut der Uni Zürich

Persönlichkeitsmerkmale wie Offenheit ließen sich dagegen nicht so einfach verändern. Aber: Im Verlauf des Lebens würden die meisten Menschen emotional stabiler oder verträglicher werden, sagt die Persönlichkeitsforscherin.

Warum manchen Menschen solche Veränderungen schwerfallen, sei noch nicht erforscht. Obwohl bei Leyo viele Persönlichkeitsveränderungen gut geklappt haben, gibt es auch bei ihr noch Punkte, bei denen es schwieriger für sie ist. People Pleasing etwa ist so ein Thema – sich abzugrenzen und auf ihre eigenen Bedürfnisse zu hören, fällt ihr noch schwer, erzählt sie.

Die Arbeit an sich zahlt sich aus

Aber erstmal ist Leyo ziemlich happy über ihre bisherige Veränderung: Leute in ihrem Umfeld haben wegen ihrer Tiktok-Videos mitbekommen, dass sie etwas mitzuteilen hat, und in der Schule sind ihre Leistungen besser geworden. "Da wurden mir teilweise wirklich von Lehrern gesagt: Hey, mach weiter so!", erzählt sie glücklich.

Sie hat sich auch getraut, einen Job zu suchen, bei dem sie viel Kundenkontakt hat. Inzwischen arbeitet sie dort schon seit zwei Jahren und bekommt positives Feedback. Anfangs sei es ihr aber sehr schwer gefallen, etwas von ihrer Liste umzusetzen. Denn den inneren Widerstand und die Ängste zu überwinden, sei eine Herausforderung gewesen. "Aber alles was dann kam, war viel einfacher", sagt Leyo heute.

Bestandsaufnahme: Was wollen wir an unserer Persönlichkeit ändern?

Bei Leyo war es der innere Leidensdruck, der sie dazu bewegt hat, etwas an ihrer Persönlichkeit zu verändern. Es gibt aber auch Veränderungsprozesse, die von außen angestoßen werden, sagt Alexandra Schoppmann., Psychologische Psychotherapeutin bei der Online-Plattform "Hello Better." Bei solchen Impulsen von außen sollten wir hinterfragen, ob wir selbst den Wunsch nach einer bestimmten Persönlichkeitsveränderung haben, empfiehlt sie.

Sie rät, erst einmal eine Bestandsaufnahme zu machen:

  • Wie bin ich?
  • Warum bin ich so?
  • Was stört mich?
  • Was möchte ich konkret ändern?
  • Wie möchte ich sein?

Bei Schüchternheit könnten zudem auch Ängste oder Annahmen uns davon abhalten, uns anders zu verhalten und auf Menschen zu zugehen oder sich in Meetings zu Wort zu melden. Hat diese Eigenschaft Nachteile für uns und möchten wir deshalb etwas ändern? Genauso sollten wir uns zudem auch fragen: Was sind unsere Vorteile und Stärken? Und welche davon könnten uns bei der Veränderung helfen?

Wenn wir zu dem Schluss kommen, dass ein Veränderungswunsch von außen nicht zu uns selbst passt, sollten wir uns die Frage stellen, ob wir vielleicht unser Umfeld ändern sollten, meint Alexandra Schoppmann.

"Ein Stück weit ist es auch in Ordnung, dass wir so sind, wie wir sind. Man muss sich auch nicht komplett auf den Kopf stellen, um anderen zu gefallen."
Alexandra Schoppmann, Psychologische Psychotherapeutin bei der Online-Plattform "Hello Better"

Wenn wir uns aber für eine Veränderung der Persönlichkeit entscheiden, dann sollten wir das in kleinen, aber konstanten und konsequenten Schritten machen, empfiehlt die Psychotherapeutin. Diese Schritte müssten sich gut in unseren Alltag integrieren lassen, damit wir dauerhaft unser Verhaltensmuster verändern.

"Es ist schon auch eine relativ große Aufgabe, die man sich da setzt, aber auf jeden Fall eine mögliche", macht Alexandra Schoppmann Mut. Denn wie lange so ein Prozess dauert und wie viel wir dann wirklich verändert bekommen, das hänge von jedem selbst ab.

Bei sehr hartnäckigen Persönlichkeitsmerkmalen, die sich so gar nicht ändern lassen wollen, könnten wir auch professionelle Hilfe in Form eines Coachings in Anspruch nehmen. Wenn tiefere Ängste oder Probleme dahinterstecken, könnte auch ein Termin bei einer Psychotherapeutin sinnvoll sein.

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Shownotes
So bin ich halt
Wie sehr können wir unsere Persönlichkeit verändern?
vom 05. Januar 2026
Gesprächspartner*in: 
Leyo, war mal schüchtern und unsicher und wollte das ändern
Gesprächspartnerin: 
Alexandra Schoppmann, Psychologische Psychotherapeutin bei der Online-Plattform "Hello Better"
Gesprächspartnerin: 
Prof. Dr. Wiebke Bleidorn, Persönlichkeitsforscherin an der Uni Zürich
Autorin und Host: 
Shalin Rogall
Redaktion: 
Bettina Brecke, Christian Schmitt, Anne Göbel, Friederike Seeger
Produktion: 
Philipp Adelmann