Ein Supermarkt, der allen gehört: Das ist das Prinzip von einem Genossenschafts-Supermarkt. Alle, die dort einkaufen, sind Mitglieder. Die Lebensmittel kommen direkt von den Bäuerinnen und Bauern aus der Region. Dafür sind sie oft günstiger als im Supermarkt um die Ecke.

Es gibt die Discounter, die Bio-Supermärkte, die großen Ketten oder den Hofladen direkt bei den Erzeuger*innen. Es gibt aber auch Supermärkte, die wir besitzen können – zumindest einen Teil davon. In sogenannten Genossenschafts-Supermärkten oder Mitmach-Supermärkten sind alle Kundinnen auch Mitglieder. Der Food Hub in München ist einer der Mitmach-Supermärkte und dort der erste seiner Art.

Anteile kaufen und loslegen

Das bedeutet: Alle Mitglieder zahlen am Anfang ein Mal 180 Euro auf das Genossenschaftskonto ein. Dafür erhalten sie ihre Anteile am Supermarkt. Treten sie wieder aus der Genossenschaft aus, bekommen sie den Betrag zurück. Zusätzlich arbeitet jedes Mitglied drei Stunden pro Monat im oder für den Supermarkt.

Die Kund*innen, die dort einkaufen, sind also auch die Mitarbeiter*innen und kennen beide Seiten. Angestellte gibt es nur wenige. Dadurch kann der Supermarkt die Preise niedrig halten. Und es hat auch den Effekt, dass die Mitglieder die Arbeit der anderen wertschätzen, sagt Gründerin Kristin Mansmann. Weil sie wüssten, was die Arbeit im Supermarkt ausmacht.

Wenn das Einscannen an der Kasse zum Beispiel mal etwas länger dauert, weil die Mitglieder nicht so routiniert sind, haben diejenigen, die in dem Moment warten Verständnis und helfen einander.

"Der Supermarkt gehört allen Kunden."
Kristin Mansmann, Gründerin vom Genossenschafts-Supermarkt Food Hub

Solidarisches Einkaufen

In dem Mitmach-Supermarkt spielt Wertschätzung auch beim Bezug der Lebensmittel eine entscheidende Rolle. Der Genossenschafts-Supermarkt bezieht die meisten seiner Produkte direkt von den Bauern und Produzentinnen. Die Lebensmittel sind überwiegend regional, bio und nachhaltig. Die Zwischenhändler*innen wie in konventionellen Supermärkten fallen damit weg.

Mir geht es um die Wertschätzung von Lebensmitteln, für die Erzeuger und die Produzenten. Und auch um die Wertschätzung für die Mitarbeiter und den Handel."
Andreas ist Mitglied im Food Hub

Zudem sind die Preise transparent. Auf jedes Produkt kommen die gleichen 30 Prozent Aufschlag auf den Einkaufspreis, erklärt Kristin Mansmann. Ziehen die Mitglieder diesen Anteil vom Verkaufspreis ab und rechnen dann noch die Mehrwertsteuer runter, sehen sie, was die Bauern und Produzentinnen für die Lebensmittel bekommen.

Das führt dazu, dass viele Lebensmittel in dem Genossenschafts-Supermarkt günstiger sind als in einem konventionellen. Gerade Bio-Produkte und qualitativ höherwertige Lebensmittel kosten bei den großen Ketten und Discountern oft wegen der hohen Preisaufschläge mehr. Weil sie auf ihre Haus- und Billigmarken kaum etwas auf den Preis aufschlagen, ist das Gefälle dort zwischen Bio, Qualität und der Hausmarke oft groß.

Kleine Auswahl, dafür fair gehandelt

Beim Mitmach-Supermarkt ist dafür die Auswahl der Lebensmittel begrenzt. Von der Butter zum Beispiel gibt es eine Marke im Kühlregal. Andere Produkte wie Käse bezieht der Supermarkt als Ganzes und teilt das Stück dann in der Supermarktküche in Portionen auf.

Aktuell hat der Genossenschafts-Supermarkt rund 1000 Mitglieder. In Städten wie Hamburg, Berlin, Wien oder Köln gibt es ähnliche Konzepte – oder sie sind in der Planung.

  • Moderator:  Markus Dichmann
  • Autor:  Julian Ignatowitsch, Deutschlandfunk Nova