Der Hinweis auf mögliche Allergene in Lebensmitteln scheint eine Hilfe für Allergikerinnen zu sein. In erster Linie ist er allerdings eine Maßnahmen von Herstellern, sich vor Klagen zu schützen. Experten fordern daher, den Hinweis auf mögliche Allergene neu zu regeln.

Beim Blick auf die Zutatenliste von Lebensmitteln findet sich oft der Zusatz "Kann Spuren von xy enthalten" auf der Verpackung. Für Menschen mit einer bestimmten Lebensmittelallergie ist das ein wichtiger Hinweis.

Rückstande in Lebensmitteln durch Produktion

Hersteller drucken diesen Beisatz auf ihre Verpackungen, wenn sie auf einer Anlage etwa erst Schokolade mit Nüssen und im Anschluss Vollmilchschokolade produziert haben. Trotz Reinigung können die Nusspartikel nämlich später in der Vollmilchschokolade enden, sagt Isabelle Mühleisen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Reagieren Menschen auf ein Lebensmittel wie Nüsse allergisch, kann das bei ihnen eine schwere allergische Reaktion im Körper auslösen, die sich zum Beispiel durch Erbrechen oder Bauchschmerzen zeigt. Im schlimmsten Fall ist die allergische Reaktion für sie lebensgefährlich: Laut Allergologin Katharina Blümchen vom Universitätsklinikum Frankfurt am Main kann unter anderem der Kehlkopf der Allergiker*innen anschwellen, sodass sie kaum mehr Luft bekommen.

Hinweis schützt Hersteller

Damit die Allergikerinnen und Allergiker die Lebensmittelproduzenten später nicht verklagen, drucken die Firmen eben diesen Beisatz auf die Verpackung. Was wie eine Hilfe für Menschen mit einer Allergie scheint, ist allerdings vielmehr ein Schutz für die Firmen.

Entscheidend ist in diesem Hinweis das Wort "kann". In dem Produkt kann etwas von einer Substanz drin sein, die allergische Reaktionen auslöst, muss es aber nicht. Die meisten abgepackten Lebensmittel mit diesem Beisatz sind für Allergikerinnen und Allergiker wahrscheinlich unbedenklich, sagt die Allergologin. Bei den wenigsten kommt es jedenfalls dadurch zu einer schweren allergischen Reaktion.

"Dass Patienten auf abgepackte Lebensmittel, wo draufsteht 'Kann Spuren von enthalten', auch wirklich schwer reagieren, ist extrem selten."
Katharina Blümchen, Allergologin am Universitätsklinikum Frankfurt am Main

Ihnen rät sie, beim Kauf logisch nachzudenken: Steht auf einer Packung Reis zum Beispiel der Hinweis, das Lebensmittel könne auch Erdnuss enthalten, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass beide Produkte durch die gleiche Maschine gelaufen sind und im Reis tatsächlich Erdnusspuren sind. Anders sieht es hingegen bei einem Müsli mit Haselnüssen aus. Weist das Etikett hier auch auf mögliche Erdnussspuren hin, sollten Menschen mit einer entsprechenden Allergie auf das Müsli verzichten.

Vage Formulierung schränkt ein

Ein Rätsel bleibt der Hinweis trotzdem. Ob und wie hoch konzentriert die Spuren tatsächlich sind, lässt die Formulierung offen. Für Allergikerinnen und Allergiker bedeutet das: Der Beisatz schränkt sie ein, oft unnötig.

Verbraucherverbände und Fachärzte fordern deshalb, die Spurenkennzeichnung neu zu regeln und verbindliche Schwellenwerte für Allergene festzulegen. Die Hersteller sollen messen, ob in einem Lebensmittel ungewollt so viel von einer Substanz steckt, dass es eine allergische Reaktion auslösen kann. Diese Klarheit macht aus dem Hinweis ein "Enthält Spuren von xy" ohne "kann" und gibt Menschen mit Allergie Gewissheit und ein gewisse Freiheit zurück.

"Untersuchungen der Lebensmittelüberwachung haben gezeigt, dass der Hinweis häufig gewissermaßen vorsorglich und auch zu häufig verwendet wird."
Isabelle Mühleisen, Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen