Er macht die Böden fruchtbar, beeinflusst das Wetter und dient in den Ozeanen möglicherweise als Nährstoff - Forschende untersuchen die noch unentdeckten Potenziale des Staubes.

Wenn wir von Staub sprechen, kommt vielen von uns sicherlich als Erstes der Hausstaub in den Sinn. Der nervt, weil er sich auf Möbeln und Böden absetzt und Allergien auslösen kann. Er erinnert uns unablässig daran, dass es wieder einmal Zeit ist, mit einem Handfeger oder einem feuchten Tuch über Flächen und Böden zu wischen.

Blick über Sanddünen, fotografiert am 09.11.2015 bei Merzouga im Süden von Marokko in der Wüste Erg Chebbi bei tiefstehender Sonne am Abend.
© dpa

Aktuell assoziieren die Menschen in Teilen Südeuropas oder Bayerns auch noch etwas anderes mit Staub als nur den gemeinen Hausstaub. In diesen Gegenden ist der eine oder andere zurzeit von einem Naturphänomen fasziniert oder genervt: dem Saharastaub, der vom afrikanischen Kontinent herübergeweht wurde. Er legt sich als staubige Schicht auf die Autos und lässt den Himmel und die Landschaften sepiafarben erscheinen.

Ein Staubkorn alleine bewirkt nichts, viele zusammen sind eine Macht

Aber Staub ist viel mehr als nur eine Plage im Haushalt. Er trägt maßgeblich dazu bei, unterschiedliche Ökosysteme in ihrer Balance zu halten. Ein einzelnes Staubkorn ist ungefähr einen Mikrometer groß, also ein tausendstel Millimeter etwa. Für sich genommen hat es sicherlich keinen Einfluss auf seine Umgebung.

Forschende schätzen allerdings, dass pro Jahr rund fünf Milliarden Tonnen Staub auf der Erde aufgewirbelt werden. Und das hat dann Folgen - zum Beispiel für die Photovoltaik. Die Wissenschaftlerin Ina Tegen erforscht die Troposphäre. Wenn sie mehr Staub in der Luft misst, dann bedeutet es, dass weniger Licht zur Erde durchdringt und das bedeutet dann auch, dass wir weniger Strom aus Sonnenergie gewinnen können. Das ist nur eine Art, wie Staub unser Leben beeinflussen kann.

"Was für uns noch spannender noch ist, dass Staubpartikel zur Vereisung von Wolkentröpfchen führen können."
Ina Tegen, Institut für Troposphärenforschung in Leipzig

Auch für den Niederschlag kann Staub eine wichtige Rolle spielen. Die Troposphärenforscherin Ina Tegen erklärt, dass Staub die Vereisung von Wolkentröpfchen bereits bei niedrigen Temperaturen verursachen kann. Vor allem auf die Fragen, welche Rolle der Staub bei der Niederschlagsbildung im Allgemeinen und auch bei extremen Niederschlagsereignissen spielt, versuchen Forschende Antworten zu finden.

Staub sorgt für fruchtbare Böden

Nicht nur das Wetter kann Staub beeinflussen, sondern auch die Furchtbarkeit unserer Böden. Seit vielen Jahrtausenden können sich die Menschen in Europa dank fruchtbarer Böden gut ernähren. Einer der fruchtbarsten Böden ist der Löss, ein hellgelblich-graues Sediment. Eine Schicht, die vom Wind abgelagert wurde, ursprünglich also Staub, der sich aber mit der Zeit in seiner Zusammensetzung verändern kann.

Entstanden ist der Lössboden in der Eiszeit. Damals gab es Stürme und Orkane, die den fein gemahlenen Gesteinsstaub aufgewirbelt und irgendwo wieder abgesetzt haben. Eine mineralienhaltige Gesteinsmischung, die die perfekte Grundlage für das Wachstum der Pflanzen bietet. Und nicht nur auf dem Festland kommt dem Staub eine entscheidende Rolle zu.

Hinweise darauf, dass Staub als Nährstoff dient

30 Tage hat ein internationales Team von Forschenden untersucht, welche Rolle Staub für das Ökosystem Meer spielt. Sie fanden Hinweise darauf, dass Staub dem Phytoplankton als Nahrung dient. Phytoplankton ist selbst wiederum der Anfangspunkt zahlreicher Nahrungsketten im Meer und ein gigantischer CO2 Speicher. Die Forscherin Cecile Guieu, die bei der Expedition dabei war, erklärt dazu: "Die Ozeane binden genauso viel CO2 wie die kontinentalen Wälder."

Gamechanger im Bezug auf den Klimawandel?

Es gibt bereits Überlegungen, Salzstaub mit Drohnen und Flugzeugen in der Atmosphäre zu verteilen, um dadurch die Lichtstrahlen abzuschwächen, die zur Erde gelangen und dadurch wiederum dem Anstieg der Erderwärmung entgegenzuwirken. Forschende wie Ina Tegen sehen diese Gedankenexperimente aber sehr kritisch, weil die Effekte, die bei dieser Art von Geoengineering erzielt werden, nicht klar vorhersagen lassen. Deswegen mahnen Atmosphärenforschende hierbei zur Vorsicht.