Fast jeder zweite Mord wird in Deutschland nicht aufgedeckt. Darum wird in Bremen nun jede Leiche untersucht - auch wenn die Todesursache scheinbar natürlich ist. Kriminalbiologe Mark Benecke erklärt die Vor- und Nachteile.

Angefangen hat es mit einem Krankenpfleger: Der hatte jahrelang seine Patienten getötet, er hat ihnen ein überdosiertes Herzmedikament gespritzt. Bemerkt hatte diese Morde niemand. Um solche Taten zu verhindern, hat der Bremer Senat die "Qualifizierte Leichenschau" beschlossen. Jeder Tote soll untersucht werden.

Die Leichenschau ist ein guter, erster Schritt

Für den Kriminalbiologen Mark Benecke ist das ein guter erster Schritt, wenn alle Leichen seziert werden. 

  1. Es gibt viele Pflegevernachlässigungen, die enttarnt werden könnten
  2. Viele scheinbar unnatürliche Todesursachen würden sich als natürliche Ursachen entpuppen
  3. Häufig ist gar nicht bekannt, woran etwa alte Menschen gestorben sind, diese Todesursachen könnten aufgedeckt werden.

Letztlich könnten auch durch eine nur oberflächliche, durch die äußere Leichenschau Verbrechen aufgedeckt werden.

"Das Problem ist nicht nur, dass es verdeckte Tötungsdelikte gibt, sondern auch, dass Ärzte und Ärztinnen im Totenschein 'Unnatürlicher Tod" ankreuzen, weil sie nicht wissen, wie derjenige gestorben ist."
Mark Benecke​, Kriminalbiologen

Das Problem beim Bremer Modell ist, dass die Leichen nicht direkt am Fundort untersucht werden, sondern erst Stunden, nachdem der Tote entdeckt worden ist. "Wie sollen wir als Rechtsmediziner eine Todesursache bewerten, wenn wir die Leiche oft erst 36 Stunden später sehen?", fragt Olaf Cordes, Leiter des Bremer Instituts für Rechtsmedizin, im Weser-Kurier.

"Am besten ist, wenn man von Außen und von Innen guckt - und damit auch aufschneidet."
Mark Benecke​, Kriminalbiologen

Die Rechtsmediziner nehmen nur eine äußere Leichenschau vor, Gifte werden so zum Beispiel nicht festgestellt. "Da guckt man, ob man von außen eine Schusswunde, eine Stichwunde oder ein Unterlaufen auf den Innenseiten der Augenlider", erklärt Mark Benecke. "Aufschneiden ist aber natürlich immer besser."  So würden etwa Infarkte erkannt werden, aber auch Projektile, deren Einschüsse von Außen nicht erkannt werden konnten.