Die indische Sportlerin Dutee Chand durfte nicht an den Commonwealth-Games teilnehmen. Warum? Ihr Testosteronwert war zu hoch für eine Frau.

Die Sportlerin Dutee Chand hat vor dem internationalen Sportgerichtshof CAS dagegen geklagt, dass auch Frauen, die einen natürlich hohen Testosteronwert haben, von Wettbewerben ausgeschlossen werden können.

Vor Dutee Chand wurde schon einmal eine Sportlerin wegen ihres hohen Testosteronwerts von Wettkämpfen ausgeschlossen: Die Südafrikanerin Caster Semenya. Sie hatte vor fünf Jahren bei der Leichtathletik-WM in Berlin Gold über 800 Meter gewonnen. Es kam danach zu einer Diskussion über ihre Intersexualität. Die Folge: Sportlerinnen mit erhöhtem Testosteronwert sollten sich fortan behandeln lassen, um diesen Wert zu senken.

Der Endokrinologe Onno Janßen findet das ungerecht: Denn der erhöhte Testosteronwert bei Frauen muss nicht durch Dopingmittel hervorgerufen sein, sondern kann natürlich sein. Das sei dann genauso ein Vorteil, wie eine bestimmte körperliche Ausprägung - zum Beispiel besonders lange Beine.

"Das wird gesagt: Du hast einen Vorteil und den musst du dir künstlich wieder nehmen lassen."
Onno Janßen, Endokrinologe

Testosteron steigert die Leistung

Testosteron wirkt auf weibliche und männliche Körper leistungssteigernd, genau genommen verbessert Testosteron die Ausbildungsfähigkeit der Muskulatur. Kraft, Trainierbarkeit und Schnelligkeit werden besser. Kurz gesagt: Sportler mit hohem Testosteronspiegel haben klar einen Wettbewerbsvorteil - Frauen haben sogar einen überproportionalen Vorteil, sagt der Endokrinologe Onno Janßen.

Es gehe eigentlich um ein anderes Phänomen, sagt Onno Janßen. "Eigentlich gilt: Ein Mann hat ein X- und ein Y-Chromoson, eine Frau hat zwei X-Chromosome. Das funktioniert aber nicht immer, weil einige Frauen, vor allem im Sport, ein inaktives Y-Chromosom haben, zusätzlich zu den beiden X-Chromosomen."

"Der Sportweltverband hat beschlossen, das nach der Wirkung des Testosteron zu definieren, was in diesem Fall eine unglückliche Benachteiligung ist."
Onno Janßen, Endokrinologe