Ein bisschen Kalk, ein bisschen Chlor, aber alles in allem ist Leitungswasser in Deutschland problemlos trinkbar, wenn alles mit euren Leitungen stimmt. Trotzdem schmeckt Leitungswasser nicht gleich Leitungswasser, je nachdem, ob ihr in der Großstadt oder auf dem Land den Hahn aufdreht. Was sagt die ganz besondere regionale Note über die Qualität aus? Wir fragen bei Ina Bockholt von Stiftung Warentest nach.

Unser Trinkwasser wird aus Grundwasser, Flüssen, Seen oder Talsperren gewonnen. Es durchläuft also einen Wasserkreislauf, in den wir Menschen etwas hineinleiten: durch unser Abwasser, durch die Landwirtschaft oder durch die Industrie. Es gibt also praktisch kein unberührtes Wasser. Die Folge: In den meisten Trinkwasserproben finden sich winzige Mengen an Rückständen. Grenzwerte für diese Rückstände legt die Trinkwasserverordnung fest.

Ina Bockholt von Stiftung Warentest sagt: Wasser, in dem die Rückstände unter dieser Menge liegen, kann als gut bezeichnet werden. Selbst empfindliche Menschen wie Babys oder Immungeschwächte könnten es ein Leben lang trinken.

Alle Rückstände unter dem Grenzwert

Die Stiftung Warentest hat kürzlich eine Stichprobenanalyse gemacht und in 20 Orten das Trinkwasser untersucht. Darunter die fünf größten Städte in Deutschland. Weil dort davon ausgegangen wird, dass durch die dicht zusammenwohnende Bevölkerung Grund- und Oberflächenwasser besonders belastet sein könnte.

Außerdem hat die Stiftung einige Orte ausgewählt, in denen das Grundwasser mit Nitrat belastet ist. Dazu noch Regionen, in denen in der Vergangenheit schon einmal Alarm geschlagen wurde, weil Pestizide im Grundwasser entdeckt wurden. Zu guter Letzt dann noch Gegenden, in denen über das Gestein Uran ins Trinkwasser gelangen kann.

Prädikat "gut" für alle

Das Ergebnis: Alle Orte haben gut abgeschnitten. Bei keinem Ort ist eine Überschreitung der Grenzwerte aus der Trinkwasserverordnung festgestellt worden. Ganz vorne liegt Hamburg, sagt Ina Bockholt. Hier haben die Tester überhaupt keine Spuren im Wasser entdeckt.

Stiftung Warentest hat gezielt nach problematischen Stoffen wie Pestiziden, Uran oder Arsen gesucht. Aber selbst in Regionen, in denen intensiv Landwirtschaft betrieben wird, etwa im südwestlichen Niedersachsen, liegen die Rückstände im Wasser unter dem Grenzwert. Alles in allem zeigt der Test: Wer in Deutschland Leitungswasser trinkt, bringt sich nicht in Gefahr. Es ist aber auch klar: Der Mensch hinterlässt Spuren im Trinkwasser.

"Man braucht überhaupt kein Mineralwasser zu kaufen, wenn man Mineralstoffe haben möchte."
Ina Bockholt von Stiftung Warentest

Beim Trinkwasser spielen Mineralstoffe, mit denen beim Wasser aus dem Supermarkt geworben wird, eigentlich keine Rolle. Trotzdem haben die Tester eine überraschende Entdeckung gemacht: Zahlreiche Trinkwasserproben enthalten genauso viele Mineralien wie Mineralwasser in Flaschen.

Für uns heißt das also: Wem Mineralien im Wasser wichtig sind, kann auch einfach den Hahn aufdrehen, statt Kästen aus dem Supermarkt zu schleppen. Erst recht, weil seit einer EU-Verordnung von 1980 kein Mindestmineralstoffgehalt für Mineralwässer mehr vorgeschrieben ist.

Nicht empfehlenswert: Wasserfilter

Von einem Wasserfilter für das Trinkwasser rät Ina Bockholt ab. Wer den benutzt, handele sich nur ein größeres Risiko für Keime im Wasser ein. Die einzige Ausnahme: Anspruchsvolle Teetrinker, die wegen des Geschmacks zu viel Kalk im Wasser vermeiden wollen.

Deutsches Trinkwasser gehöre zu den am häufigsten und strengsten überwachten Lebensmitteln in Deutschland. Große Wasserwerke kontrollierten es dreimal am Tag und müssten öffentlich warnen, sobald irgendetwas nicht stimmt, sagt Ina Bockholt.

Vorsicht bei billigen Armaturen

Das größte Risiko beim Trinkwasser sei die Hausinstallation, sagt Ina Bockholt. Bei sehr billigen Armaturen besteht die Gefahr, dass Kupfer ins Leitungswasser gelangt. Und in seltenen Fällen sind auch noch Bleirohre verlegt. Hier könnten Bleirückstände ins Trinkwasser kommen.

Wenn eine Wohnung lange nicht bewohnt wurde und das Wasser lange Zeit gestanden hat, könnten außerdem Keime ins Trinkwasser gelangen. Wer den Verdacht hat, dass etwas mit dem Leitungswasser zu Hause nicht stimmt, kann es kontrollieren lassen. Verschiedene Labore bieten solche Tests für 20 bis 100 Euro an. Relevant sind dabei Proben auf Blei oder Kupfer, das aus den Leitungen stammt. Ein Test auf Pestizide wäre für Privatmenschen viel zu teuer, sagt Ina Bockholt.

Geschmacksnote von der Region abhängig

Und dann ist Wasser auch noch Geschmackssache, Leitungswasser immer auch ein Spiegel der Region, sagt Ina Bockholt. In Berlin ist zum Beispiel viel Kalk enthalten und in einigen Regionen sei auch eine leichte Chlornote wahrzunehmen. Das ist vor allem dort der Fall, wo viel Trinkwasser aus Flüssen gewonnen wird.

Wenn es viel geregnet hat, können Wasserwerke Chlor beigeben, um Keime abzutöten. Ein paar weitere Besonderheiten: Trinkwasser an der Nordsee ist besonders weich und im Voralpenland sind sich einige Trinkerinnen und Trinker sicher: Aus ihrem Hahn schmeckt es anders, weil das Wasser aus den Bergen stammt.