Während eines Freiwilligendienstes in Bolivien wird Lena vor dreieinhalb Jahren vom Blitz getroffen. Sie überlebt nur knapp. Lena ist seitdem behindert. Heute setzt sie sich gegen Ableismus ein und sagt: Ihr Leben hat sich auch verbessert.

Ostermontag, im April 2019: Lena Cornelissen hängt im Garten ihrer Unterkunft in Bolivien Wäsche auf, es ist ein sonniger Tag, von Gewitter keine Spur. Doch irgendwo hinterm Berg muss es ein Unwetter gegeben haben, denn es verirrt sich ein sogenannter Trockenblitz auf Lenas Grundstück, wahrscheinlich wurde er von der Wäscheleine aus Draht angezogen. Der Blitz geht einmal durch Lenas kompletten Körper durch, sie fängt sofort Feuer.

Erinnern kann sich Lena daran nicht mehr. Doch ihre Kolleg*innen, die sofort zur Hilfe kamen, haben es Lena später erzählt.

Leben mit Behinderung

Dreieinhalb Jahre mit über 20 Operationen und diversen Rehas später lebt Lena nun mit den Folgen des Blitzschlags. Sie hat Verbrennungsnarben, chronische Schmerzen und Schäden im Kleinhirn. "Ich hab ein ziemlich schlechtes Gleichgewicht, Probleme bei der Koordination", sagt Lena. Hinzu kommt ein starkes und konstantes Zittern.

"Anstarren kommt vor, sobald ich auf die Straße gehe."
Lena Cornelissen

Inzwischen studiert Lena im Fernstudium Psychologie und setzt sich aktiv gegen Ableismus ein - also gegen die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung. Das macht sie politisch bei den Grünen und der Grünen Jugend, aber auch im Rahmen von Workshops oder auf Instagram und ihrer Homepage.

Dass wir in einer ableistischen Gesellschaft leben, erfährt Lena selbst immer wieder im Alltag. "Ich war gerade mit zwei behinderten Freunden auf einer Interrail-Tour", sagt Lena. "Und da war es nochmal sehr spürbar, dass behinderte Menschen nicht vorgesehen sind."

"Wir überfordern Unterkünfte, Züge, Museen, Cafés durch unsere bloße Anwesenheit."
Lena Cornelissen

Lenas Leben hat sich seit diesem Ostermontag in Bolivien komplett verändert - aber nicht nur zum Negativen. Sie führe heute ein Leben, in dem sie nicht mehr vor Problemen wegrenne, sagt sie. Und: "Ich hab jetzt was gefunden, wo ich sagen würde: ‚Mein Leben lohnt sich.‘"

Wie nicht-behinderte Menschen zu Verbündeten im Kampf gegen Ableismus werden können, erzählt Lena in unserer aktuellen Folge Deep Talk.