Manche bleiben lebenslang in einer Burschenschaft. Leon hat für Monate dazugehört und auch dort recherchiert, wo er wegen seiner Hautfarbe nicht mitmachen durfte.

Männlich, weiß, trinkfest: Das sind so die gängigen Vorstellungen von Burschenschaftlern. Leon Montero ist männlich, katholisch und Franke. Weiß ist er nicht. Sein Vater ist aus der Dominikanischen Republik. Leon wollte die Realität in Studentenverbindungen kennenlernen und hat für Monate in einer liberaleren, katholischen Verbindung gelebt.

Von dort aus hat er sich dann bei anscheinend rechtsradikalen Verbindungen beworben. Von seiner Hautfarbe erfuhren die Verbindungen erst beim Vorstellungsgespräch. Verbindungen, die Menschen mit Migrationhintergrund nicht aufnehmen, haben ihn besonders interessiert. Er hat sich gefragt: "Wie kann das im einundzwanzigsten Jahrhundert in Deutschland sein, dass ich in einen Verein aufgrund meiner Hautfarbe nicht eintreten kann?"

Verdeckter und offener Rassismus

Ein Hitlergruß hier, eine Reichskriegsflagge dort: Verbindungen, die ihn nicht aufgenommen hätten, waren dann gelegentlich auch äußerlich klar zu erkennen. Hier und da war dann ihm gegenüber auch offen von einem Ahnennachweis die Rede. Andere Gründe würden aber offenbar vorgeschoben. Typischerweise sei das Problem auch in Verbindungskreisen ein verdeckter Rassismus. "So ist es oft mit dem Rassismus, den ich und viele andere Menschen erleben. Man kann nicht klar sagen: Die haben mich wegen meiner Hautfarbe nicht genommen."

"Ganz interessant fand ich die zehn Prozent der Burschenschaften, denen Rechtsextremismus nachgesagt wird, die auch in Verbindungskreisen teilweise geächtet sind."
Leon Montero, hat über Verbindungen recherchiert

Leon kommt selbst aus Würzburg. Dort seien zwei Burschenschaften als Problemverbindungen stadtbekannt. "Die haben Rechtsextreme bei sich, Identitäre und so weiter", so ordnet Leon diese beiden Gruppierungen ideologisch ein.

Der 24-Jährige studiert Fotojournalismus und hat seine Beobachtungen online veröffentlicht. Er nennt diese persönliche Recherche "Reise nach Germania". Grundsätzlich ist es leicht, aufgenommen zu werden, sagt Leon.

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"Eigentlich reicht es, wenn du männlich bist und studierst, dass du in die meisten Verbindungen reinkommst. Das ist nicht allzu schwer."
Leon Montero über den recht leichten Zugang zu Verbindungen

Für zwei Gruppen sind Verbindungen quasi automatisch interessant, findet Leon. Einerseits für Studenten, die eine günstige Unterkunft suchen und das Verbindungsleben in Kauf nehmen. Andererseits für Studenten, die aus einer familiären Tradition in Verbindungen gehen. Aus dieser Gruppe rekrutieren rechtsextreme und identitären Verbindungen am ehesten ihren Nachwuchs, vermutet Leon.

"Ich glaube, bei den Rechtsextremen besonders, die rekrutieren halt die Leute auch aus ihren Kreisen."
Leon Montero über den Zusammenhang von ideologischer Färbung und Familientradition

Viel Bier, wenig Zeit

Das Verbindungsleben ist auch in einer liberalen Verbindung recht zeitaufwendig: ein wöchentlicher Kneipenabend hier, ein wöchentlicher Gesangsabend dort. Dazu kommen Besuche bei anderen Verbindungen. Wer ernsthaft dazu noch studiere, sei mit beidem zusammen ausreichend beschäftigt, sagt Leon. Die jungen Männer treten als Anwärter – sogenannte Füchse ein – und werden irgendwann Burschen auf Lebenszeit.

"Da kommt man schon auf drei, vier Abende in der Woche, die man für die Verbindung investiert. Wenn du studierst, da ist dein Alltag erst mal ausgelastet."
Leon Montero über den Zeitaufwand für das Verbindungsleben

Die guten Seiten des Verbindungsleben beschreibt Leon so: "Meistens hängt man einfach miteinander rum, trinkt viel Bier und hat irgendwo eine gute Zeit. Es ist auch irgendwo witzig." In die offizielle Form gebracht ist es dann nicht mehr so lustig. Kneipen oder Kommers heißt es dann.

"Nach ganz strikten Regeln wird gesungen und getrunken – nicht aufstehen, sonst muss man ein Bier exen, nicht auf die Toilette, sonst muss man ein Bier exen, nicht ans Telefon."
Leon Montero über offizielles Verbindungsveranstaltungen

Eine Grenze ist für ihn dann überschritten, wenn Leute vor versammelter Truppe dafür fertiggemacht werden, dass sie nicht trinken wollen. Leon sagt: "Das ist für mich so ein Kriterium gewesen, dass ich gesagt habe: So Feierabend."

Im Gespräch mit Sebastian Sonntag geht es um noch viel mehr: etwa um Katholizismus in Verbindungen, einen Besuch im Afrikazimmer und ganz offenen Rassismus. Es lohnt sich, klickt oben auf das Audio.