Emmely ist Deutsche, ihr Freund Yann ist Niederländer. Meist sprechen sie Englisch. Keine gemeinsame Muttersprache zu haben, bedeutet etwas mehr Arbeit für die Beziehung.
Wenn sich Emmely und ihr Freund Yann unterhalten, kann das – je nach Situation – ganz unterschiedlich klingen. Mal ist es Deutsch, mal Niederländisch und zu Hause ist es meistens Englisch.
Emmely ist Deutsche, Yann ist Niederländer. Kennengelernt haben sie sich in Amsterdam – auf Englisch. Das ist quasi ihre Brücke zwischen den Kulturen.
Ik hou van jou, mein Herz
Die beiden sind seit fast drei Jahren zusammen. In der Zeit haben die zwei die Sprache des jeweils anderen gelernt. Das war ihnen wichtig, damit sie sich auch gut mit Freund*innen und ihren Familien unterhalten können.
"Als ich dann doch ihre Sprache konnte, hat das viele Türen eröffnet, weil ich mit ihnen richtige Gespräche führen konnte."
Yanns niederländische Oma spricht zum Beispiel weder Deutsch noch Englisch. "Mit ihr konnte ich im ersten Jahr gar keine Konversation führen. Das waren dann immer sehr stille Augenblicke, die ich mit Oma verbracht habe. Jetzt, wo ich mit ihr reden kann, ist es ein himmelweiter Unterschied", sagt Emmely.
Dass ihr Freund mittlerweile auch Deutsch versteht, tut besonders in emotionalen Momenten gut. Wenn Emmely einen schlechten Tag hatte, sieht sie sich gerne eine Serie aus ihrer Kindheit an. Es bedeutet ihr viel, dass sie dann gemeinsam mit Yann vor dem Laptop sitzen kann, weil er alles versteht.
Manchmal kommt es in der Sprache des anderen auch zu Missverständnissen, sagt Emmely. Aber darüber können sie in der Regel lachen.
Eine neue Liebe kennelernen
Egal wie wir als Paar miteinander sprechen, letztendlich lernen wir in allen Beziehungen eine neue Sprache, die mit der neuen Person kommt. Denn wir müssen uns immer an einen Kommunikationsstil gewöhnen, sagt Sprachwissenschaftlerin Ingrid Piller. Sie forscht zu interkultureller Kommunikation und Identität.
"Sprachen, die wir als Kind gelernt haben, haben oft eine größere Tiefe und gehen uns näher."
Die Muttersprache kann uns zwar emotional tiefer berühren. "Aber was emotionale Tiefe hervorruft, ist tatsächlich von Kultur zu Kultur unterschiedlich", so die Sprachwissenschaftlerin. Das macht Ingrid Piller am Beispiel von "Ich liebe dich" deutlich. Je nachdem in welcher Sprache wir anderen unsere Liebe gestehen, kann sich das unterschiedlich anfühlen.
Das deutsche "Ich liebe dich" klinge im Vergleich zum englischen "I love you" distanzierter und formal. "I love you kann ich zu allen möglichen Leuten sagen. Es ist ein viel breiteres Gefühl, vielleicht auch ein schwächeres Gefühl und deswegen kommt es uns oft wesentlich leichter über die Lippen", erklärt sie.
Keine gemeinsame Muttersprache miteinander zu teilen, bedeute nicht, dass das ein Problem ist. Oft entwickeln Paare auch so eine eigene Mischsprache. Wenn aber jemand die Muttersprache des anderen lernt, ist es häufig die Frau, so die Sprachwissenschaftlerin.
Offenheit und Verständnis
Für ein Paar kann Mehrsprachigkeit etwas mehr Arbeit bedeuten als für ein Paar mit einer gemeinsamen Muttersprache, sagt Paartherapeutin Miriam Dialo. Neben einem neuen Menschen lernen wir eben auch eine neue Kultur kennen. Was hier förderlich ist, sind vor allem Interesse und Offenheit, den anderen gut kennenzulernen.
"Grundsätzlich kann eine oder mehrere Sprachen was Positives sein, weil wir mehr Input haben, vielleicht auch mehr Worte, die wir nutzen können. Es kann aber auch eine Schwierigkeit sein, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen."
Es geht darum, immer wieder in den Austausch zu kommen und als Paar auf die Frage zu schauen: Wie wollen wir unsere Beziehung gestalten? Was ist uns wichtig?
Wenn wir zum Beispiel den anderen in unseren Freundeskreis integrieren wollen – und das in der gemeinsamen Sprache – geht es darum, gemeinsam einen Weg dafür zu finden, so die Paartherapeutin. Das könne etwa bedeuten, sich dabei zu unterstützen, die andere Sprache zu lernen. Also so, wie es Emmely und Yann gemacht haben – Niederländisch und Deutsch. Miriam Dialo vergleicht das mit einem Tandem, einem von- und miteinander Lernen.
Gegenseitiges Verständnis ist wichtig
Hier komme es besonders auf gegenseitiges Verständnis an – beispielsweise dafür, wenn es dem einen nicht so leicht fällt, sich eine neue Sprache anzueignen und der andere das Gefühl hat, vieles übersetzen zu müssen. Darüber können wir dann sprechen und uns in herausfordernden Situationen immer wieder an die Perspektive unserer Freundin oder unseres Freundes erinnern.
Was möchten wir als Paar für unsere Beziehung? Diese Frage können wir nutzen, um gemeinsam auch auf die Zukunft zu blicken. "Wie wollen wir unser Leben gestalten? Auch wenn Kinder im Raum stehen, ist es hilfreich, die Sprache zumindest grundlegend zu können, um in Verbindung zu sein und ein Leben zu gestalten, was auf Augenhöhe ist", sagt die Paartherapeutin.
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- Piller. I. (2002). Bilingual Couples Talk: The discursive construction of hybridity.
