Alle, die einen Partner oder eine Partnerin finden möchten, sollten sich in ihrem Freundeskreis umschauen. Forschende aus Kanada haben herausgefunden, dass Liebespaare oft erst miteinander befreundet sind und später zusammen kommen.

Filme, Serien und auch Popsongs erzählen gerne dieses eine Narrativ: Zwei Menschen sehen sich zum ersten Mal, blicken sich tief in die Augen und plötzlich wissen sie, es ist Liebe.

Diese Liebe auf den ersten Blick gibt es zwar, aber sie ist eine Ausnahme. Zu diesem Ergebnis kommen Forschende der University of Victoria und der University of Manitoba. In der Realität verlieben sich zwei Drittel der Paare im Laufe ihrer Freundschaft ineinander. Durchschnittlich sind die Liebespaare vorher fast zwei Jahre lange miteinander befreundet, bevor mehr zwischen ihnen entsteht.

Für ihre Studie haben die Psychologinnen und Psychologen die Daten aus verschiedenen Umfragen von knapp 1900 Menschen ausgewertet. Sie alle lebten in Kanada oder den USA, etwa die Hälfte von ihnen waren Studierende.

Erst Freunde, dann ein Paar

In den Studienergebnissen ist der Weg über die Freundschaft in eine Liebesbeziehung bei den 20- bis 29-Jährigen und in der LGBTIQ+-Community besonders hoch, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Matthis Dierkes. 85 Prozent von ihnen kannten sich erst als Freundinnen und Freunde.

Popkultur hängt an Liebe auf den ersten Blick fest

Die Gründe dafür lässt die Studie offen. Die Teilnehmenden sollten allerdings angeben, auf welchem Weg sie gerne eine Partnerin beziehungsweise einen Partner finden. Im Vergleich zum Kennenlernen auf einer Party oder über Online-Dating bevorzugt etwa die Hälfte von ihnen den Weg über die Freundschaft.

Trotzdem halten Filme und Serien weiter an der Geschichte von der Liebe auf den ersten Blick fest. Das könnte daran liegen, vermuten die Forschenden, dass dieses Narrativ besser bei den Menschen ankommt beziehungsweise es einfacher zu erzählen ist, als das zweijährige Kennenlernen von zwei Freundinnen in einem Film wiederzugeben.

"Die Story von der Liebe auf den ersten Blick lässt sich natürlich immer leichter verkaufen."
Matthis Dierkes, Deutschlandfunk Nova

In ihrer Studie kritisieren die Forschenden auch, dass Beziehungen in ihrer Vielfalt bislang zu wenig untersucht wurden.