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Die Klimakrise ist für journalistisch Arbeitende eine ziemliche Herausforderung. Der Kommunikationswissenschaftler Michael Brüggemann erklärt, woran das genau liegt. Aus dem Bemühen um Objektivität, kann ein Problem werden, sagt er.

Der Klimawandel passiert nicht von heute auf morgen. Er ist ein schleichender Prozess über Jahrzehnte. Wir sind daran gewöhnt, dass es ihn gibt. Deswegen hat es das Thema oft schwer, in die Medien zu kommen. In seinem Vortrag beschreibt Michael Brüggemann, wie Medien über den Klimawandel berichten.

"Gemessen daran, wie sehr der Klimawandel die Lebensgrundlage von uns allen bedroht, kommt das Thema viel zu wenig in den Medien vor," sagt Michael Brüggemann. Er ist Kommunikationswissenschaftler an der Universität Hamburg. In diesem Hörsaal hört ihr zwei seiner Vorträge.

Leugnende als Zitatgebende

In seinem ersten Vortrag stellt er seine Forschung zur Berichterstattung über die Klimakrise vor. Der Kommunikationswissenschaftler hat Medien aus Deutschland, Indien, den USA, Großbritannien und der Schweiz untersucht und Journalistinnen und Journalisten interviewt. Sein Ergebnis: Selten wird in der Berichterstattung der Konsens über den Klimawandel angezweifelt. "Nicht selten aber werden Leugner des Klimawandels dabei zitiert," sagt Michael Brüggemann.

"Die Leugner des Klimawandels kommen zu Wort, weil extreme Meinungen Aufmerksamkeit generieren."

Der Kommunikationswissenschaftler beschreibt eine Überrepräsentation der Klimaleugner in der Berichterstattung. Zu oft würden bei dem Thema zwei polarisierte Meinungen gleichwertig nebeneinandergestellt, obwohl sich die Wissenschaft einig sei und Klimawandelleugner keine Faktenbasis hätten.

Klimawandel: Zweifel und Leugnung überrepräsentiert

In konservativen Medien werde der Klimawandel häufiger angezweifelt, so der Kommunikationswissenschaftler weiter, häufig kämen diese Meinungen von Kolumnisten und Kommentatoren. In linken Zeitungen würden hingegen die Leugner häufiger zitiert. Zentral sei auch die Frage, ob Journalisten angeben, dass es in der Wissenschaft beim Thema Klimawandel einen Konsens gibt. Das sei nur sehr selten der Fall, sagt Michael Brüggemann.

Objektivität wird häufig interpretiert als Distanz und Neutralität. Aber wie kann ich neutral und distanziert sein, wenn die Lebensgrundlagen des Planeten bedroht sind?"

In seinem zweiten Vortrag beschreibt Michael Brüggemann, wie Aufmerksamkeitsdynamiken der medialen Berichterstattung dazu führen, dass Medien häufig über ähnliche Dinge berichten. Am Beispiel des Klimawandels zeigt der Kommunikationswissenschaftler, welche Mechanismen dahinterstecken.

Die beiden Vorträge von Michael Brüggemann heißen "Klima- und Wissenschaftsjournalismus im Wandel: Von falscher Ausgewogenheit zu interpretativem Journalismus" und "Aufmerksamkeitsdynamiken der Klimaberichterstattung". Beide Vorträge hat er im Rahmen der Vorlesung "Journalismus in der digitalen Gesellschaft" im Wintersemester 2020/2021 an der Universität Hamburg gehalten.

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