Worst-Case-Szenarien kennen wir aus unzähligen Filmen. Im echten Leben sind sie dagegen nicht so greifbar. So auch beim Klimawandel. Forscher aus den USA sagen jetzt allerdings: Das Worst-Case-Szenario im Klimawandel ist immer realistischer.

Wir haben bisher zu wenig getan, wir tun gerade zu wenig und die geplanten Anstrengungen werden nicht ausreichen. Das ist die Botschaft von drei Forschern aus den USA, die sie im Fachmagazin PNAS veröffentlicht haben. Darin schreiben sie, dass das Worst-Case-Szenario, das der Weltklimarat IPCC im Jahr 2005 entwickelt hat, das sogenannte Szenario RCP 8,5, immer realistischer wird.

Dafür haben die Forschenden explizit die Entwicklung in den letzten 15 Jahren betrachtet. Ein Blick auf die CO2-Emissionen zeigt: Die Abweichung vom Worst-Case-Szenario ist kleiner als ein Prozent.

Das Klima ist aus dem Gleichgewicht

RCP steht für Representative Concentration Pathways , die Zahl 8,5 steht für den Strahlungsantrieb oder auch Klimaantrieb, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Sabrina Loi. Mit diesem Wert lassen sich die Änderungen bei der Energiebilanz der Erde und der Atmosphäre vergleichbar messen. Einfluss darauf haben beispielsweise Treibhausgase, Aerosole, aber auch die Veränderungen an der Erdoberfläche.

Diese ganzen Faktoren beeinflussen wiederum das Gleichgewicht zwischen der einfallenden Sonnenstrahlung und der Infrarotstrahlung, die von der Erde abgestrahlt wird. Herrscht hier ein Ungleichgewicht, hat das Klima eine Art Antrieb, um die Temperatur zu verändern. Ist der Wert auf Null, verändert sich nichts, ist er negativ, würde es sogar noch kühler auf der Erde werden. Rechnet man den RCP-Wert derzeit um, würde sich die Erde in den nächsten hundert Jahren allerdings um 3,3 bis 5,4 Grad erwärmen.

"RCP 8,5 würde bedeuten, dass sich die Erde in den nächsten hundert Jahren um 3,3 bis 5,4 Grad erwärmen würde."
Sabrina Loi, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Bisherige Maßnahmen reichen nicht aus

Die beschlossenen Maßnahmen der Klimakonferenz in Paris aus dem Jahr 2015 werden sich zwar positiv auswirken, aber nicht genug. Denn um an das nächst bessere Szenario, das RCP 4,5, heranzukommen, reichen die bisherigen Bestrebungen nicht aus, sagen die Forscher.

Dazu haben sie sich die Emissionsminderungen, zu denen sich die einzelnen Länder selbst verpflichtet haben, angesehen und festgestellt: Mit diesen Maßnahmen, wenn sie überhaupt eingehalten werden, würden wir in zehn Jahren fast genau zwischen den beiden Szenarien liegen – jedoch sogar noch ein Stück näher am Worst-Case-Szenario.

"Wenn die Länder ihre nationalen Verpflichtungen einhalten – was ja auch erstmal passieren muss – würden wir in zehn Jahren ziemlich exakt zwischen diesen beiden Szenarien liegen."
Sabrina Loi, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Auch für die weitere Zukunft sieht es nicht besser aus, sagen die Forscher. Im Jahr 2050 würden die bisherigen Klimaschutzverpflichtungen dazu führen, dass wir sogar noch näher an RCP 8,5 als an RCP 4,5 liegen. In CO2 umgerechnet bedeutet das: Wenn sich die Welt an die bisherigen Klimaschutzverpflichtungen hält, liegen wir 234 Gigatonnen CO2 unter dem Worst-Case-Szenario. Um es zum nächstniedrigeren Szenario zu schaffen, müsste die Welt aber 385 Gigatonnen CO2 weniger ausstoßen als durch die geplanten Maßnahmen zu erwarten wäre, erklärt Sabrina Loi.

Weitere Faktoren spielen eine Rolle

Hinzu kommen die Faktoren, die wir Menschen nicht in der Hand haben. Viele Waldbrände und das Auftauen des Permafrosts tragen ebenfalls dazu bei, dass Treibhausgase ausgestoßen werden. Hier spricht man von der sogenannten positiven Rückkopplung: Wird durch das Auftauen des Permaforsts CO2 freigesetzt, führt das wiederum dazu, dass der Permafrost noch mehr auftaut.

"Wenn es viele Waldbrände gibt, oder der Permafrost auftaut, trägt das auch dazu bei, dass Treibhausgase ausgestoßen werden."
Sabrina Loi, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Auch diese Rückkopplungen führen laut der Forscher dazu, dass wir immer mehr auf das RCP 8,5 zusteuern.

Forderung: Worst-Case-Szenario ernst nehmen

Die Message der Forscher lautet also: Das Worst-Case-Szenario sollte nicht missachtet werden. Denn häufig wird ein solches Szenario im Zusammenhang mit dem Klimawandel als "alarmistisch" oder sogar "irreführend" bezeichnet. Für die Forschenden ist es derzeit aber die realistischste Version unseres zukünftigen Klimas.