Die Lieberoser Wüste wurde von russischen Panzern gemacht. Ein Wissenschaftler würde die am liebsten wieder rollen lassen - damit das Ökosystem Wüste bleibt.

Auch wenn man das neben den großen Waldflächen, Wiesen und Seen nicht vermuten würde - in Deutschland gibt es eine Wüste. Sie liegt in Brandenburg, ist die größte Deutschlands, und tatsächlich findet man hier fast nichts außer Sand und Gräsern. Sie heißt sogar so: Lieberoser Wüste.

Die Lieberoser Wüste zu sehen mit einem rostigen Draht
© Deutschlandfunk Nova | Angelika Fey
Weite, Himmel, Flechten und Silbergras: Die Lieberoser Wüste.

500 Hektar ist die Lieberoser Wüste groß, zweimal so groß wie der Große Wannsee. Entstanden ist sie 1942 durch einen Waldbrand. Die SS machte daraus einen Truppenübungsplatz.

Nach dem Krieg kam die russische Armee, deren Panzer aus der Fläche endgültig eine Wüste machten. Die Lieberoser Heide, so heißt das Gelände inklusive angrenzendem Wald, wurde damals zu einem der größten Schießplätze Mitteleuropas - bis zum Jahr 1994.

"Sie finden hier immer noch Hinterlassenschaften der russischen Truppen. Eine Fischbüchse ist noch ein relativ harmloser Gegenstand. Es gibt auch andere."
Axel Becker, zuständiger Oberförster

Bergeweise Hinterlassenschaften des russischen Militärs wurden schon entsorgt. Die Heide darf nach wie vor nur auf ausgewiesenen Wegen betreten werden.

Obwohl die Wüste inzwischen sozusagen befriedet ist, sind sich Verwaltung und andere Beteiligte nicht darüber einig, was mit ihr langfristig geschehen soll.

"Natur kann machen"

Die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg, der die Wüstenfläche gehört, verfolgt einen konsequenten Wildnis-Ansatz. "Wir lassen einfach Wildnis zu. Natur kann machen. Es kann passieren, was kommt", sagt Jenny Eisenschmidt, die für die Stiftung arbeitet.

Nach diesem Ansatz könnte die Wüste in einigen Jahrzehnten komplett mit Kiefern bewachsen sein. Sie wäre also keine Wüste mehr.

Tierspuren im Sand der Lieberoser Wüste
© Deutschlandfunk Nova | Angelika Fey
Die hier zu sehenden Spuren stammen höchstwahrscheinlich von Wölfen, die in der Lieberoser Heide unterwegs sind.

Der Biologe Maik Veste von der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg verfolgt da einen anderen Ansatz. Er forscht unter anderem an der Entwicklung von Wüsten-Boden und an Mikroorganismen, die im Wüstensand zu finden sind. Er hat ein Interesse daran, dass die Wüste eine Wüste bleibt. Dazu müssten wachsende Pflanzen aber direkt zerstört werden.

Vestes Vorschlag: Schafe, die die Pflanzen fressen. Oder etwas radikaler: Wieder Panzer fahren lassen.

"Es gibt Untersuchungen, dass der Naturschutz-Panzer eigentlich das effizienteste Mittel ist."
Maik Veste, Biologe, Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg