Das neue Album "Dawn FM" von The Weeknd ist raus – aber ausschließlich digital. Ihr könnt es als CD oder Platte vorbestellen, aber die erscheinen erst Ende Januar beziehungsweise Ende April. Das hat auch mit Lieferengpässen zu tun. Vor allem für kleinere Bands ist das ein Problem.

Das neue Album von The Weeknd "Dawn FM" ist raus – jeder kann es sich anhören. Aber erst einmal nur digital. Wer es physisch als CD oder Schallplatte in den Händen halten will muss warten. Wegen Lieferengplässen wird es das neue Album erst in ein paar Wochen geben. Damit nimmt der Musiker in Kauf, dass seine Chart-Position eventuell schlechter ausfällt, so unsere Reporterin Anke van de Weyer.

Auswirkungen auf die Chart-Position

Die Charts berechnen sich nach Umsätzen. Und für diese Berechnung ist die erste Veröffentlichungswoche normalerweise die wichtigste, so Anke van de Weyer. Wenn CDs und Vinyls erst später rauskommen, zählt ihr Verkauf eben nicht mit in die erste Woche, sodass der spätere Verkauf unter Umständen dazu führt, dass das Album keine Nummer eins wird.

Für The Weeknd wird das kein großes Problem sein. Er twitterte vergangene Woche, dass ihm die Charts egal seien. Ihm sei es wichtig, das Album jetzt in dieser Zeit zusammen mit seinen Fans zu erleben. Seine letzten drei Alben waren in den USA auf Nummer eins. "Und selbst, wenn das jetzt nicht klappt, dürfte The Weeknd das verschmerzen", so Anke.

Ausgelastete Presswerke und weniger Rohstoffe

Dass die Produktion von Vinyls zurzeit hakt, dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen haben die Presswerke weltweit derzeit extrem viel zu tun. Mit dem Vormarsch der CD war die Zahl von Presswerken zurückgegangen. Doch seit der Renaissance von Vinyl sind die wenigen Presswerke stark ausgelastet. Adele und Ed Sheeran haben darüber im Kontext ihrer zuletzt erschienen Alben berichtet. Sie hatten ihre Alben jeweils über Monate quasi fertig in der Schublade und mussten dies geheim halten.

"Presswerke sind im Moment weltweit so ausgelastet, dass Künstlerinnen und Künstler ihr Album mehrere Monate vor der Veröffentlichung fertig haben müssen."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Aber es gibt ein weiteres Problem: die weiterhin unterbrochenen Lieferketten in Folge der Coronapandemie. Unter anderem fehlt es an Rohstoffen für die Vinyl-Herstellung.

Das musste auch die Band OK KID erfahren. Sie haben im Dezember 2021 die Veröffentlichung ihres kommenden Albums "Drei" auf den Mai 2022 verschoben. OK KID wollte die Veröffentlichung lieber verschieben, um dann auch mit Tonträgern zu starten und nicht die Platte ohne Platte herausbringen. Denn Tonträger sind wichtig für die Band, so Raffi Balboa von OK KID.

"Für uns macht physisch Musik zu verkaufen viel mehr Sinn als dass Leute Musik streamen."
Raffi Balboa von OK KID

Das Musikstreaming bringt nicht allen Bands ausreichend Geld ein. "The Weeknd bewegt sich in einer Größenordnung, wo er wahrscheinlich auch vom Musikstreaming leben könnte", sagt Anke. Das sieht bei Bands wie OK KID anders aus. Sie sind nicht weltweit unterwegs.

Hinzu kommt, dass das Ausschüttungsmodell zum Beispiel von Spotify schon länger kritisiert wird. "0,3 Cent gibt es bei Streaming-Anbietern wie Spotify pro Stream", sagt Anke. "Bei 1000 Streams wären das 3 Euro. Wenn dann noch ein Label zwischengeschaltet sein sollte, kommt noch weniger bei den Künstler*innen direkt an."