In einer globalisierten Welt werden jeden Tag unzählige Waren hin und her transportiert. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie funktioniert das nicht immer einwandfrei. Als Folge stauen sich viele Containerschiffe auch an deutschen Häfen – und kann sich auf die Verfügbarkeit von Produkten auswirken.

Viele Containerschiffe liegen derzeit in den Häfen. Sie können nicht starten – auch an deutschen Häfen ist das gerade so. Nachlesbar ist das im Kiel Trade Indicator. Herausgegeben wird der Report vom Kiel Institut für Weltwirtschaft. Demnach warten etwa 150.000 Container auf die Abfahrt, zum Beispiel vom Hamburger Hafen.

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie haben wir schon öfters gehört, dass Handelsschiffe beispielsweise in China feststecken. Der kommunistische Staat führt eine strikte Zero-Covid-Politik. Aus der Hafenstadt Shanghai werden noch immer hohe Inzidenzen gemeldet.

Deutschland hat die Maßnahmen zur Corona-Eindämmung weitestgehend fallenlassen. Der Transport sollte hierzulande ohne Probleme funktionieren. Woran liegt es, dass auch hier vielfach die Schiffe festsitzen erklärt Burkhard Lemper vom Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik.

Massive Probleme beim Transport im Hinterland der Häfen

Burkhard Lemper sagt, dass es mehrere Gründe gibt: "Zum einen liegt es daran, dass es eine Steigerung der zu transportierenden Waren gibt – auch während der Pandemie. Demzufolge nimmt die Zahl der umgeschlagenen Container zu."

Viel entscheidender aber ist, dass es im Hinterland der Häfen Probleme mit dem Abtransport der Container gibt. Es gebe nicht ausreichend Kapazitäten zum Transport auf der Schiene und in Lkw, um importierte Container weiter zu befördern. Wartezeiten gibt es aber auch durch Schiffe, die aus Asien oder Amerika kommen, so Lemper.

"Die Schiffe kommen zum Teil mit zwei Wochen Verspätung an. Gleichzeitig werden die Exportcontainer früh bei den Häfen angeliefert."
Burkhard Lemper, Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik

Die Schiffe blockieren also die Häfen, wenn sie zu spät kommen. Dass die Staus vor den Häfen und die Verzögerungen in naher Zukunft zunehmen, hält Lemper für sehr wahrscheinlich. "Davon müssen wir ausgehen, dass verzögerte Lieferketten und Staus noch akuter werden, wenn sich die Staus vor chinesischen Häfen – insbesondere vor Shanghai – nach der Lockerung der strengen Anti-Covid-Maßnahmen auflösen", meint Seeverkehrswirtschafts-Experte Burkhard Lemper.

Höhere Frachtraten bedeuten Kosten

Die Wartezeiten und Verzögerungen der Lieferketten werden sich demnach noch verschärfen. Ob der Containerstau weitere Auswirkungen auf unsere Lebenskosten haben wird, kann Lemper nicht sagen. Er sagt jedoch, dass viele Produkte deswegen nicht unmittelbar in Supermarktregalen landen.

Hinzu komme, dass die Transportkapazitäten knapper werden, wenn mehr und mehr Schiffe an Häfen gebunden sind. Die Frachtraten blieben auf sehr hohen Niveau, sagt Lemper: "Höhere Frachtraten sind höhere Kosten für jedes einzelne importierte Produkt."

Mit einer kurzfristigen Entspannung der Lage rechnet Burkhard Lemper nicht. Das liege daran, dass die Schiffe aus Shanghai bald an deutschen Häfen eintreffen: "Die Auflösung der Staus in China wird zumindest für die nächsten fünf bis sechs Wochen noch zu einer Verschärfung der Lage in Europa führen."

Danach könne es noch weitere Monate dauern, bis sich die Transportwege wieder normalisiert haben. Es könne noch bis zum Ende des Jahres dauern, bis die Fahrpläne einigermaßen ins Lot kommen. Bis dahin rechnet der Experte noch mit Transportproblemen im Schiffsverkehr.