Du (A) denkst, bei dir ist alles in Ordnung und nimmst aus Mitleid eine junge Frau (B) auf, bei der es nicht so gut läuft. Plötzlich verändert sich alles: B und A nähern sich an und du entdeckst dich ganz neu. Der Debütroman "A wie B und C" von Alexandra Kleeman ist das perfekte Buch für den Moment, wenn du auf dem Selbstfindungstrip bist.

Die Vorstellung klingt gruselig, festzustellen, dass ein anderer Mensch immer mehr deine eigene Identität annimmt. Aber noch viel gruseliger ist, festzustellen, dass du dich selbst der anderen Identität ebenfalls immer mehr annäherst. So geht es A in dem Roman von Alexandra Kleemann.

"B und ich waren beide zierlich, blass und neigten zu Sonnenbrand. (...) Wenn man uns auf eine Liste Adjektive reduzieren würde, käme bei beiden wohl fast das Gleiche heraus."
Leseprobe "A wie B und C" von Alexandra Kleeman

A denkt von sich selbst, alles gut geregelt zu haben: Job, Freund und eigene Wohnung. Dann kommt B, die ein Zimmer sucht. Aus Mitleid nimmt A B in ihrer Wohnung auf. B will alles von A wissen, von ihr ausborgen, mit ihr teilen. A möchte das nicht, tut es aber trotzdem. Sie teilen die Leidenschaft, viel Zeit vorm Fernseher zu verbringen und so gut wie nichts zu essen. Vorm Fernseher sitzt A außerdem auch viel mit ihrem Freund C, der auf Haifisch-Dokus und Pornos steht. A und C sind immer einer Meinung, A ist wie C. Und schließlich fragt sich Variable A, wenn A wie B und C ist, wozu braucht es dann noch A?

Der Weg zur eigenen Identität

Wie A es schafft, nicht nur eine lahme Variable zu bleiben, sondern ein Individuum mit vollem Namen und sichtbarem Ich, könnt ihr in dem US-Bestseller "You Too Can Have A Body Like Mine" (2015), auf Deutsch "A wie B und C" von Alexandra Kleeman lesen - aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt von Guntrud Argo und Michael Kellner, erschienen bei Kein & Aber, 349 Seiten.

Alexandra Kleeman wurde 1986 in Boulder, Colorado, geboren und lebt heute in New York. Ihre Kurzgeschichten und Essays sind bereits in renommierten Zeitschriften wie "The Paris Review", "Guernica", "n+1" und "Zoetrope" erschienen. "A wie B und C" ist ihr erster Roman, für den sie mit dem Bard Fiction Prize 2016 ausgezeichnet wurde.