"Corporate Anarchy" heißt das düstere Romandebüt von Nils Honne. Der Untertitel "Gier ist tödlich" macht deutlich: In diesem Buch wird reichlich gestorben.

Marvin arbeitet als Werbetexter in einer Agentur. Mit den Jahren hat er gelernt, seinen Job zu hassen. Aber nicht nur das: Marvin hasst die Welt, in der er lebt.  Er hasst die Ignoranz der Menschen, die dazu führt, dass es immer schlimmer wird. Massentierhaltung, Genmanipulation, Umweltzerstörung, Kinderarbeit und alle anderen Ungerechtigkeiten und Übel, die unsere Welt beherrschen. 

Einen Fehler begehen, um danach alles richtig zu machen

Marvin will anders leben, bewusster, nachhaltiger. Er verbringt einen Großteil seiner freien Zeit damit, Testberichte zu lesen, Ratgeber zu studieren und in Foren zu diskutieren. Absichtlich vermasselt er eine Präsentation für einen Mineralölkonzern. 

Davon hing ab, dass seine Agentur den Zuschlag für den Werbeauftrag des Konzerns bekommt und damit über ein Millionenbudget verfügen kann. Dieser Fehler kostet Marvin seinen Job, der Chef kündigt ihm sofort. 

Eine große Leere ergreift Besitz von Marvin. Sie nimmt ihm die Luft zum Atmen und die Lust zu leben. Überall, wo er hinschaut, sieht er Betrug. Verseuchtes Grundwasser, krebserregendes Spielzeug, Klamotten, an denen Blut klebt. "Suchen sie sich einen Ausgleich“, hatte ihm der Arzt geraten…

Aktionismus gegen den Frust

Zuerst klebt Marvin Aufkleber auf Produkte, Delfine auf Thunfisch-Konserven und ähnliche Dinge. Dann besprüht er Werbeplakate in der Stadt. Mit einer Schablone sprüht er "Made in Photoshop" darauf. Eine Zeit lang reicht das Marvin als Ventil. 

Eines Tages, bei einer von vielen Demonstrationen gegen das Böse in der Welt, gerät Marvin versehentlich in den radikalen Block. Er hatte sich eigentlich schon auf den Heimweg machen wollen, als plötzlich Steine fliegen, Feuerwerkskörper explodieren und Schlagstöcke auf Arme und Beine niederprasseln. Auch er wird getroffen. So heftig, dass er sein Bewusstsein verliert.

Wiedererwachen im Camp Zukunft

Er wacht in einem Behandlungszimmer auf. Marvin ist in einer Siedlung gelandet, die sich "Camp Zukunft" nennt. Lennard, der Anführer dieser Gruppe, hat ihn hierhin gebracht.

Reisende am Ende der Welt

Gemeinsam mit den Geschwistern Vincent und Sophie kümmert sich Lennard hier um Menschen, die nicht weiter wissen. Hier sollen sie gesund werden. Marvin nimmt das Angebot, zu bleiben, gern an. Feldarbeit ist besser als Arbeitslosigkeit. Und die Leere wirkt hier im Camp nicht mehr so mächtig. 

Doch bald macht Marvin Beobachtungen, die ihn beunruhigen. Vincent sammelt Waffen. Sophie trägt ständig Perücken. Und Lennard verschwindet immer wieder im Wald.