"Das Schwarz an den Händen meines Vaters" von Lena Schätte ist ein ebenso harter wie liebevoller Roman über das Aufwachsen in schwierigen Verhältnissen, Sucht und Familienbande.
Die Fanta-Korn leuchtet harmlos gelb, wie Limo ohne Schnaps. Motte hatte Spätschicht im Krankenhaus. Ihr Auto sprang danach nicht an und ihr Bruder ging nicht ans Telefon. Also ist sie nach Hause gelaufen.
Kurz vor ihrer Wohnung ist sie hier in dieser kleine Eckkneipe hängengeblieben – und am Fanta-Korn. Es ist eine komische Zeit, eine Zwischenzeit: zwischen gestern und morgen, zwischen früher und bald, zwischen Wachsein und Schlafen. Und zwischen Leben und Tod.
"Obwohl Motte es besser wissen müsste, beginnt sie selbst zu trinken. Immer mehr, immer häufiger. Erst in Gesellschaft, dann auch allein. Bis alles in ihr still ist."
Mottes Vater stirbt bald. Schon seit einer Weile. Diagnose: Krebs im Endstadium. Aber noch ist er da. Und auch Motte ist noch da. Sie sollte nicht hier sitzen – in einer Kneipe vor einer Fanta-Korn. Das weiß sie. Aber man sollte ja eine Menge nicht machen und macht es trotzdem…
Ihren Namen hat Motte von ihrem Papa. Bis heute nennt er sie so – sie fände es schlimm, wenn er damit aufhören würde. Von Motte und ihrem Vater erzählt Lena Schättes Roman "Das Schwarz an den Händen meines Vaters".
Flucht in den Alkohol
Und es gibt noch eine Hauptfigur: den Alkohol. Vom ersten Tag, an den Motte sich erinnert, bis heute spielt er in jeder Geschichte mit, die ihr Vater erfunden hat – egal, ob es abends eine Geschichte zum Einschlafen war, oder morgens eine als Ausrede.
Wie ihr Vater trinkt auch Motte mittlerweile zu viel. Wie ihr Vater ist sie manchmal so betrunken, dass sie es nicht mehr ins Bett schafft. Oder überhaupt in die Wohnung.
"Immer größer wird der Platz, den der Alkohol in Mottes Familie und Leben einnimmt, immer gieriger und unnachgiebiger."
Einmal schläft sie im Vorgarten ein, und wird durch den pieksenden Finger eines kleinen Mädchens geweckt. Wie viele Male hat Motte selbst ihren Vater so vor sich liegen sehen und sich bang gefragt, ob er noch lebt?
"Kurz und heftig ist diese Geschichte", sagt unsere Rezensentin Lydia Herms. Es geht darin um ein Leben in schwierigen Verhältnissen, das Erwachsenwerden, Liebe und den Zusammenhalt der Familie, wenn es darauf ankommt. Und um den Alkohol. Auch von dem muss Motte sich verabschieden...
"Hat man die Geschichte in wenigen Stunden regelrecht eingeatmet, muss man ganz doll ausatmen – und dann schon wieder von vorn beginnen."
Die Autorin: Lena Schätte ist 1993 in Lüdenscheid geboren. 2014 erschien ihr Debüt-Roman "Ruhrpottliebe". In den Folgejahren arbeitete sie als Krankenschwester in der Psychiatrie bis sie 2020 ein Studium des Literarischen Schreibens am Deutschen Literaturinstitut Leipzig begann. Heute betreut sie suchtkranke Menschen in Lüdenscheid und schreibt.
Für "Das Schwarz an den Händen meines Vaters" wurde sie mit dem W.-G.-Sebald-Literaturpreis und dem Förderpreis Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Der Roman stand außerdem auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2025. Lena Schätte ist zudem Bachmann-Preisträgerin 2026.
Das Buch: "Das Schwarz an den Händen meines Vaters" von Lena Schätte | Fischer Verlag | 192 Seiten | gebundene Ausgabe (Hardcover): 24 Euro, Taschenbuch erscheint im Oktober | eBook: derzeit direkt beim Verlag ermäßigt für 7,99 Euro, statt 21,99 Euro | Erscheinungstag: 12.03.2026
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