Auch die 14 Jahre alte Evie, Protagonistin in "The Girls" von Emma Cline, träumt von einem besseren Leben und einem schöneren Ort. Erst als sie "den Mädchen" begegnet, ahnt sie, wo er sein könnte. Doch sie irrt gewaltig. "The Girls" ist das perfekte Buch für den Moment, wenn die Blume in deinem Haar verwelkt ist.

Evie ist wütend. Auf ihr kaputtes Fahrrad, das sie an der Straße entlang schiebt, und auf ihre Mutter. Sie hatten sich gestritten. Es ging dabei um Frank, um den neuen Freund ihrer Mutter, einen Goldgräber mit kessen Sprüchen auf den Lippen, der nur noch seine Frau verlassen müsse, dann wäre alles gut. 

Evie glaubt ihm nicht. Und das wiederum macht Evies Mutter wütend. Das Mädchen sinkt neben ihrem Fahrrad auf den Boden und weint dicke Tränen in den Staub. Sie ist vierzehn und jetzt schon fertig mit der Welt. Und dann hört sie ihn, bevor sie ihn sieht. Einen schwarzen Bus.

Gefährliche Mädchen

"The Girls" heißt das Romandebüt der US-Amerikanerin Emma Cline. Girls sind es auch, die Evies Leben völlig aus den Angeln heben. In kleinen Grüppchen ziehen sie durch die Parks, in luftigen, schlecht sitzenden Kleidern, mit ungekämmten Haaren und staubigen Füßen. Sie rauchen, trinken und gebärden sich wie wilde Kerle. 

"Von diesen Mädchen geht eine Gefahr aus, die schwer zu beschreiben ist. Sie sind frei – und sie wissen es. Auch Evie hat sie schon gesehen; im Sommer 1969."
Lydia Herms über "The Girls"

Sie waren zu dritt. Sie machten sich an den Mülleimern zu schaffen. Und als wäre es das Normalste auf der Welt, wühlten sie darin herum. Kaum hatten sie gefunden, was sie suchten, zogen sie hemmungslos lachend weiter. 

Und plötzlich kam ein schwarzer Bus mit quietschenden Reifen neben ihnen zum Stehen. Und weg waren die Drei. Evie weiß weder, woher sie kamen, noch wohin sie fahren würden, aber eines weiß sie sofort: Sie will dazugehören.

Eine Fahrt ins Ungewisse

Und plötzlich steht er neben ihr – genau dieser Bus. Herausgesprungen kommen die drei Mädchen aus dem Park. Sie erzählen aufgekratzt von einer großen Party. Evie ignoriert die flatternde Angst in ihrem Bauch. Woher soll sie auch wissen, dass der Ort, zu dem die Mädchen fahren, nicht gut für sie ist. 

Sie weiß nicht, dass dort das Chaos Gesetz ist. Und dass dort über allem ein Mann wacht, der sich Russell nennt. Und dass dieser Russell über Leichen geht, wenn jemand sein Chaos stört. Evie weiß das alles nicht und steigt ein. 

"The Girls" von Emma Cline, aus dem Englischen übersetzt von Nikolaus Stingl, erschienen bei Hanser 2016, 348 Seiten.