Schauen wir in die Literaturlisten und Rezensionen in den Feuilletons, fällt auf: Literatur wird immer noch sehr männlich geprägt. Unsere Autorin Lydia Herms erzählt, an welchen Stellen sie auf diverses Lesen achtet und warum das so wichtig ist. 

Wenn ihr mal die letzten Bücher durchgeht, die ihr gelesen habt - wie viele davon waren von Frauen geschrieben? Oder, wenn ihr daran denkt, welche Bücher ihr in der Schule lesen musstet? Das werden zum Großteil Gedichte, Erzählungen und Romane von Männern gewesen sein. Dabei ist es nicht so, dass es keine Autorinnen gegeben hätte. Früher genauso wie heute!

Über das Problem, dass Frauen seltener als Männer Literaturpreise gewinnen, dass Bücher von Frauen weniger rezensiert werden und dass Leselisten oft stark männlich dominiert sind, haben wir vor Kurzem mit Literaturwissenschaftlerin und Autorin Berit Glanz gesprochen

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Lydia Herms findet: Hashtags wie #wirlesenfrauen sollten eigentlich gar nicht nötig sein

Deutschlandfunk-Nova-Buchexpertin Lydia Herms kennt Hashtags wie #wirlesenfrauen oder #frauenlesen gut. Sie empfiehlt, darüberhinaus noch #femalewriters, #femalewirtersclub, #readwoman, oder #frauenschreiben. 

Sie selbst sieht solche Hashtags zwar ein bisschen zwiespältig, weil sie sich eigentlich wünscht, dass sie gar nicht nötig wären, weil es keine Rolle spielen sollte. 

"Ich will, dass das endlich normal ist, dass Frauen Sachen machen wie Rennrad fahren, hart arbeiten und gut schreiben."
Lydia Herms, Deutschlandfunk Nova

Lydia Herms gibt jedes Wochenende bei Deutschlandfunk Nova Buchtipps. Manchmal sind es Bücher, die neu erschienen sind, oft sind es Fundstücke jenseits des Mainstreams, die aber absolut lesenswert sind. Dabei achtet Lydia sehr darauf, dass sich Vorstellungen von männlichen und weiblichen Autoren die Wage halten. 

"Ich stelle ja auch keine blöden Bücher von Frauen vor. Es geht bei meiner Arbeit auch darum, die Verlage zu sensibilisieren, die Buchhandlungen, die Bibliotheken, und nicht nur die Leserinnen und Leser."
Lydia Herms, Deutschlandfunk Nova

Eine Buchhandlung, auf deren Buchtischen nur Männer liegen, sei schlicht keine gute Buchhandlung, sagt Lydia Herms. 

Wenn es darum geht, gute Bücher von Autorinnen zu entdecken, nutzt sie einerseits Hashtags in den sozialen Medien, es gebe aber auch Blogs oder Kampagnenseiten, oder sogar ganze Podcastfolgen, die sich diesem Thema widmen. Das Bedürfnis nach und das Bewusstsein für Literatur von Frauen ist also da.  

Buchtipps von Lydia Herms:

Gefragt danach, welche Autorinnen bei ihr gerade im Fokus sind, hat Lydia Herms mehrere Namen parat. Nachhaltig begeistert sei sie von Anna Gien und Marlene Starks mit ihrem Roman "M", und von der Zeitreise zu archäologischen Ausgrabungen Ende des 19. Jahrhunderts im Roman "Babel" von Kenah Cusanit.

Aktuell liest Lydia Herms "Süßer Ernst" von A. L. Kennedy: "Eine Schottin, die ich anbete, allein für ihre Art, Dinge, Menschen und Begebenheiten zu belächeln. Das ist aber nie herablassend, immer wohlwollend, manchmal wütend, zum niederknien klug." 

Wer lieber kurze Geschichten liest, dem empfiehlt Lydia Herms "Schlafanstalt für Traumgestörte" von Karen Russell. "Das sind Erzählungen, die sind nicht von dieser Welt, und irgendwie habe ich mich in jeder wiedergefunden. Eigentlich könnte jede Geschichte in diesem Buch damit enden, dass jemand schweißgebadet aus dem Schlaf aufschreckt, um sich zu fragen: Bin ich durchgedreht?" 

Übrigens: Noch mehr Buchempfehlungen von Autorinnen haben einige von euch uns ja auch über Instagram geschickt. Danke! Hier eine Auswahl: 

Screenshot: Buchempfehlungen über den Instagramaccount von Deutschlandfunk Nova
© Screenshot Deutschlandfunk Nova
Screenshot: Buchempfehlungen über den Instagramaccount von Deutschlandfunk Nova

Mehr Buchempfehlungen von Lydia Herms gibt es hier.

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