"Kinder von Hoy – Freiheit, Glück und Terror" heißt der dokumentarische Roman der Filmemacherin und Autorin Grit Lemke. Yvonne, Uwe und Pfeffi erinnern sich zurück an die rassistischen Angriffe auf Asylbewerberheime im Jahr 1991 in Hoyerswerda.
Die sächsische Stadt Hoyerswerda befindet sich in der Oberlausitz - umgeben von Wiesen, Wäldern und Seen. Eigentlich ist es ganz schön dort, dennoch kämpft die Stadt bis heute um ihr Image. Genauer gesagt, mit den dunklen Schatten ihrer Vergangenheit.
Mit diesen Schatten ist aber nicht der Kohlestaub gemeint, der sich, von den vielen Fabriken rund um Hoyerswerda herübergeweht, jahrzehntelang als schwarze Schicht auf wirklich alles gelegt hat. Gemeint ist der Schatten einer Woche des Terrors. Vor 35 Jahren: Zwischen dem 17. und dem 23. September 1991 bedrohten und griffen Neonazis ausländische Vertragsarbeiter und Asylbewerber in ihren Wohnungen an.
Niemand griff ein – alle ließen es geschehen
Weder Nachbarn noch andere Bewohner der Stadt griffen ein. Noch erschütternder: Selbst die Polizei tat es nicht. Die Opfer der brutalen, rechten Gewalt, Menschen aus Mosambik und Vietnam, wurden evakuiert und mussten Deutschland verlassen.
Die Neonazis durften bleiben. Sie nutzten diesen Umstand und terrorisierten weiter. Mit schwerwiegenden Folgen: Ein Mensch wurde getötet. In ihren Erinnerungen erzählen die "Kinder von Hoy" davon, wie das war, für sie als Heranwachsende in Hoyerswerda – mit Ideen, Idealen, Träumen und Ängsten.
"Sie heißen Yvonne, Uwe und Pfeffi. Sie und weitere Zeitzeugen öffnen eine Tür für die, die verstehen wollen, was damals passiert ist."
Eine Türe in die Vergangenheit wird auch für diejenigen geöffnet, die verhindern wollen, dass so etwas wieder passiert. Und auch die Protagonist*innen selbst wollen damit dafür Sorge tragen, dass sie es niemals vergessen.
Die Autorin:
Die deutsche Regisseurin und Autorin Grit Lemke prägte über viele Jahre das Filmprogramm des renommierten Festivals DOK Leipzig. Mit ihrer Dokumentation "Gundermann Revier" gelang ihr ein großer filmischer Erfolg, der ihr 2020 eine Nominierung für den Grimme-Preis einbrachte. Als Schriftstellerin wurde sie für ihren dokumentarischen Roman "Kinder von Hoy" mit dem renommierten Hans-Fallada-Preis 2024 ausgezeichnet. Zuletzt setzte sie mit dem Kinofilm "Bei uns heißt sie Hanka" ein wichtiges Zeichen für die Sichtbarkeit der sorbischen Kultur.
Das Buch:
"Kinder von Hoy – Freiheit, Glück und Terror“ von Grit Lemke, Suhrkamp, 259 Seiten, Taschenbuch: 13 Euro, eBook: 12,99 Euro, Erscheinungstermin: 21.06.2023, aktuelle Auflage: 13.11.2025.
