Nichts wäre schöner als … ein Schrebergarten, das Glück oder die Liebe - wenn all das doch nur käme. Am besten direkt zu der namenlosen Protagonistin in Anne Kanis Roman "Nichts als ein Garten".

Sie ist Diplommusikerin und singt - im Auftrag einer Künstleragentur auf Firmenfeiern. So richtig leben kann sie davon nicht. Ein bisschen verdient sie dazu als Kaffeeausschenkerin. Deshalb wünscht sie sich einen reichen Mann - und Sicherheit. Manchmal, wenn die Angst in ihr nagt, denkt sie an früher. Dann kommen Erinnerungen hoch, Bilder von früheren Zeiten, die schwierig waren, aber auch schön.

Der verlorene Garten

Sie weiß ja: eigentlich bräuchte sie keine Angst haben. Und eigentlich bräuchte sie auch keinen reichen Typen. Ihre Eltern hatten auch nicht viel mehr als die Musik, das Familienleben und den großen Garten, knackvoll mit Obstbäumen. Das war in Ostberlin, noch zu Zeiten der DDR. Als die zusammenbrach, war sie zehn Jahre alt. Und sie sah vieles verloren gehen, wie den Garten der Eltern, dessen Pacht auslief und dessen Kaufpreis für die Eltern zu hoch war.

Die Eltern bekamen noch die Möglichkeit, ihn selbst platt zu machen. Ansonsten würde man Bagger bestellen, hieß es damals, nach der Wende. Eltern und Tochter entschieden sich für Hammer und Säge, und zerstörten wütend und weinend ihr kleines Paradies. So einen Garten müsste sie wieder haben …

Anne Kanis wurde 1979 in Ost-Berlin geboren. Sie arbeitet als Schauspielerin und Sprecherin für Film und Hörfunk. "Nichts als ein Garten" ist ihr Debütroman.

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