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Seit der Pandemie sind unser Arbeits- und Freizeitleben ganz schön durcheinandergekommen. Aber auch beim Schlaf können wir das spüren.

Mehrere Studien haben das Schlafverhalten von April 2019 und 2020 verglichen. Zum Beispiel die Brown University in Rhode Island. Sie haben per App Daten von 100.000 Menschen weltweit untersucht. Das Ergebnis: Während die meisten 2019 zwischen 6:30 Uhr und 7 Uhr aufgestanden sind, hat sich das im April dieses Jahres ziemlich verschoben. Viele sind eine halbe Stunde später aufgestanden oder teilweise sogar erst um 8:30 Uhr, also bis zu anderthalb Stunden später.
Frau liegt auf einem Bett und schläft
© Unsplash | Vladislav Muslakov

Das heißt aber nicht gleich, dass diese Personen länger geschlafen hätten. Nur ein Drittel der Teilnehmer hat insgesamt mehr geschlafen als sonst. Manche sind auch später ins Bett gegangen, sodass es sich ausgeglichen hat. Aber: Die Uni Basel hat speziell Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt. Hier haben die Befragten im Schnitt 50 Minuten mehr Schlaf bekommen.

In Industrieländern wird generell wenig geschlafen

Wie kann es sein, dass gerade wir mehr schlafen? Die Theorie: Weil wir weniger Aktivitäten im Leben haben, können wir den Schlaf, den wir brauchen, nachholen.

Der Grund ist einfach oft, dass der Schlaf-wach-Rhythmus, den unsere innere biologische Uhr vorgibt, nicht zu den gesellschaftlichen Rhythmen, vor allem der Arbeitszeit, passt.
Christine Blume, Schlafforscherin an den psychiatrischen Kliniken Basel
Wir sitzen im Homeoffice, treffen weniger Leute, sind mehr bei uns. Gerade durch den ersten Lockdown ist in der Studie sichtbar, dass wir wieder eher anhand unserer inneren Uhr schlafen, als dass wir uns am gesellschaftlichen Zeitrahmen orientieren.

Viel Schlaf ist nicht unbedingt schlechter …

Diverse Studien zeigen zwar ein erhöhtes Risiko für bestimmte Erkrankungen bei denen, die regelmäßig sehr lange schlafen. Das müssen aber schon 9 bis 11 Stunden sein. Der Zusammenhang ist aber überhaupt nicht bewiesen – es kann auch sein, dass die Krankheit dazu führt, dass mehr Schlaf benötigt wird.

... aber auch nicht besser!

Und manchmal fühlt man sich einfach total durch, obwohl man richtig lange geschlafen hat. Dazu gibt es noch gar nicht so viel Forschung. Christine Blume vermutet, dass eine Nacht zum Ausgleichen unseres Schlafdefizites manchmal gar nicht ausreicht. Dazu kommt, dass wir uns aktuell relativ viele Sorgen machen und durch die belastende Zeit schlechter schlafen. Das belegen auch Studien aus der Zeit des ersten Lockdowns. Längerer Schlaf heißt also nicht automatisch, dass wir uns auch erholt haben. Während des zweiten Lockdowns könnten teilweise wieder ähnliche Defizite sichtbar werden, vermutet Schlafforscherin Blume.

Ein Mensch hält seinen Wecker in der Hand, während dieser im Bett liegt
© Pexels | Acharaporn Kamornboonyarush

Sieben bis neun Stunden sollten es schon sein

DIE optimale Schlafdauer gibts übrigens nicht. Auch Deutschlandfunk Nova-Reporterin Caro Bredendiek kennt das: Die einen im Freundeskreis sind nach sechs Stunden Schlaf topfit, andere brauchen dann vielleicht schon mal ihre zehn Stunden. Schlafforscherin Christine Blume sagt aber, sieben bis neun Stunden dürften optimal sein.