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Einen echten Lockdown – den gab es in Deutschland nicht. Die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten der Länder haben aber den Lockdown in der Light-Version verlängert. Also: Kneipen, Restaurants etc. haben weiter geschlossen, eine Ausgangssperre für Bürger gibt es aber nicht. Sollte es aber? Dafür plädieren zumindest einige Experten und Politiker. Sie wollen einen strengen Lockdown – damit es schneller vorbei ist.

Italiener durften während des Lockdowns gerade einmal zum Müll rausbringen an die frische Luft. Solche Szenen gab es in Deutschland nicht. Hier wurde ein Lockdown in der Light-Version beschlossen. Betroffen ist davon vor allem die Gastronomie und die Kulturbetriebe – sie müssen geschlossen bleiben. Diese Maßnahmen wurden nun verlängert. Denn: Die Zahlen haben sich zwar eingependelt, gesunken sind sie aber nicht.

"Andere Länder wie Belgien und Israel zeigen: Intensive Lockdowns haben eine größere Wirkung – und dauern kürzer."
Dirk Brockmann, Leiter der Abteilung für Epidemiologische Modellierung am Robert-Koch-Institut

Andere meinen: Die derzeitigen Maßnahmen sollten nicht verlängert werden, sondern verschärft. Dirk Brockmann ist Leiter der Abteilung für Epidemiologische Modellierung am Robert-Koch-Institut und er meint: Länder in denen es sehr restriktive Lockdowns gab, konnten die Zahl der Neuinfektionen sehr viel schneller senken.

Modelle sprechen für strengen Lockdown

Auch in der Theorie sprechen die Modelle eher für einen strikten Lockdown. Dann sei es auch möglich, sehr schnell unter einen Inzidenzwert von 50 zu kommen, meint Dirk Brockmann. Das Beispiel Belgien zeige es deutlich: Ende Oktober gab es dort rund 20.000 Neuinfektionen am Tag - bei einer Bevölkerung von elf Millionen Einwohnern. Zum Vergleich: Das wäre so, als gäbe es in Deutschland 160.000 Neuinfektionen pro Tag.

Strikte Maßnahmen in Belgien

Die Krankenhäuser waren ausgelastet - dann wurden die privaten Kontakte erheblich eingeschränkt, berichtet Dirk Brockmann. Jede Person durfte nur eine Vertrauensperson nennen und diese treffen. Die Schulen und Einkaufszentren wurden geschlossen. Das Ergebnis: Nach drei Wochen waren es dann 1.000 Neuinfektionen statt 20.000.

"Ich kann mir vorstellen, dass ein strikter Lockdown von zwei bis drei Wochen, verkraftbarer ist, als ein längerer Light-Lockdown."
Dirk Brockmann, Leiter der Abteilung für Epidemiologische Modellierung am Robert-Koch-Institut

Der Light-Lockdown bringt bisher nicht die erhofften Erfolge - und zieht sich darum immer weiter in die Länge. Wird es so bleiben, wird sich ein strikter Lockdown daran anschließen müssen, meint Dirk Brockmann.

Deswegen sagt er: Besser wäre lieber jetzt strikt, damit wir nicht noch länger erst im Light-Lockdown und dann im strengen Lockdown sitzen. Ein intensiver und kurzer Lockdown könnte die Zahlen dann so weit senken, dass eine Kontaktverfolgung wieder möglich wäre - und darauf komme es an.