Es ist eine Geschichte mit Höhen und Tiefen: Mitte Dezember 2016 startete Locomore mit nur einem Zug auf der Strecke zwischen Stuttgart und Berlin. Dafür hatten Bahnfreunde per Crowdfunding Geld gesammelt, um einen Zug und Waggons zu kaufen. Schon am 1. August 2017 musste Locomore den Betrieb wieder einstellen. Das Insolvenzverfahren wurde eröffnet. 14 Tage später die Wende: Ein Investor aus Tschechien steigt bei Locomore ein.

Leo-Express ist der Name des Unternehmens, das dafür sorgt, dass Locomore ab Ende August den Betrieb wieder aufnehmen kann. Zusammen mit Flixbus. Dabei kümmert sich Locomore vor allem um das Geschäft auf der Schiene, Flixbus übernimmt den Vertrieb der Tickets. 

"Zum ersten Mal überhaupt könnte man mit Leo einen ernsthaften Konkurrenten gegen die Deutsche Bahn erhalten."
Lukas Iffländer, Fahrgastverband Pro Bahn e.V.

Die Locomore-Tickets für die Strecke Stuttgart - Berlin können auf dem Flixbus-Portal ab 9,90 Euro gebucht werden, Kurzstreckentickets sind ab 5,00 Euro verfügbar. Damit macht sich Flixbus im Prinzip selbst Konkurrenz. Denn die Locomore-Tickets sind nicht nur günstiger als die Bustickets. Die Bahn ist auch schneller am Ziel: Mit sechseinhalb Stunden braucht Locomore nur die Hälfte der Zeit bis Berlin.

"Flixbus ist schmerzfrei"

Um diesen strategischen Move zu verstehen, muss man sich das Unternehmen genauer anschauen, sagt Lukas Iffländer vom Fahrgastverband Pro Bahn e.V. Denn Flixbus hat selber keine Busse, sondern kauft lediglich die Leistungen kleiner und mittelständischer Busunternehmen ein. Locomore wäre nur ein weiterer Subunternehmer. Flixbus selber kümmert sich ausschließlich um den Vertrieb, das heißt, um das Koordinieren der Buchungen.

"Flixbus ist ziemlich schmerzbefreit, was untendrunter fährt und wie die sich gegenseitig Konkurrenz machen, solange der Vertrieb oben drüber läuft."
Lukas Iffländer, Fahrgastverband Pro Bahn e.V.

Hinter Leo-Express wiederum steckt ein Unternehmer, der aus privatem Interesse in den Fernverkehr investiert. In Tschechien hat er inzwischen mit neun sehr hochwertigen Fahrzeugen verschiedene Strecken in Betrieb genommen. Die Insolvenz von Locomore bot ihm eine günstige Gelegenheit, mit einem relativ hochwertigen Produkt in den deutschen Markt einzusteigen, sagt Lukas Iffländer.

Bislang ist Locomore aber noch keine Konkurrenz für die Deutsche Bahn. Zu wenige Fahrzeuge, zu wenige Strecken. Leo-Express müsste im großen Stil investieren, mehr Züge kaufen und mehr Strecken befahren, um wirklich mitmischen zu können, im großen Bahngeschäft.