Ende Juli erschütterte das erste Erdbeben die indonesische Insel Lombok. Vier weitere schwere Beben folgten. Sie zerstörten Gebäude, tausende Menschen wurden verletzt - mehr als 500 kamen ums Leben. Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Stefanie Delfs war im Katastrophengebiet.

Lombok kommt nicht zur Ruhe. Seit dem ersten schweren Erdbeben am 29. Juli erschütterten mehr als 1600 Nachbeben die indonesische Insel. Vier dieser Beben waren so heftig, dass wieder Gebäude zerstört wurden, Menschen unter ihnen verschüttet wurden – und wieder einige von ihnen starben. Besonders schwer hat es den Norden Lomboks getroffen – genau dorthin ist unsere Reporterin Stefanie Delfs gereist.

"Vor allem im Norden Lomboks ist die Situation noch immer dramatisch", sagt Stefanie. Straßen, Krankenhäuser und Schulen sind zerstört, dazu viele Wohngebäude. Nach Angaben des Rotes Kreuzes sollen mindestens 75 Prozent aller Gebäude durch die Erdbeben zerstört worden sein, unsere Reporterin berichtet von Dörfern, die komplett dem Erdboden gleich gemacht worden sind. Auch die Strom- und Wasserleitungen funktionieren häufig nicht mehr.

"In unserem Dorf sind zwei Menschen gestorben, 100 Prozent der Gebäude sind zerstört. Bis zu diesem Tag warten wir immer noch auf Hilfe."
Naen lebt im Norden von Lombok

Die Hilfe gestaltet sich schwierig: In besonders entlegene Dörfer sind nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde Soldaten entsandt worden: Viele Dörfer seien mit Motorrädern schwer zu erreichen, Hilfslieferungen müssten zu Fuß transportiert werden. Und die Zeit drängt. Denn rund eine halbe Million Menschen haben kein festes Dach über dem Kopf – und die Regenzeit kommt näher. "Viele Familien schlafen noch immer in provisorisch errichteten Zeltstädten, ohne Moskitonetze, ohne Schutz", sagt Stefanie. So breiten sich auch Krankheiten aus, mehr als 100 Fälle von Malaria wurden bereits registriert.

Lombok hat Angst vor Nachbeben

Also laufen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren, viele Hilfsorganisationen und Freiwillige sind vor Ort, um mit den Einwohnern anzupacken oder auch seelische Hilfe zu bieten. "Die Menschen müssen viel bewältigen", sagt Sydney Morton vom indonesischen Roten Kreuz. "Sie müssen mit dem Verlust umgehen, und mit der Angst vor weiteren schweren Nachbeben." Denn Indonesien liegt mit seinen 17.000 Inseln auf dem Pazifischen Feuerring, der geologisch aktivsten Zone der Erde: Erdbeben und auch Vulkanausbrüche sind dort besonders häufig.

"Lombok lebt vom Tourismus. Der ist jetzt komplett eingebrochen. Ich kann an einer Hand abzählen, wie viele Reisende ich gesehen habe."
Stefanie Delfs, Deutschlandfunk Nova

Sechs Wochen nach dem ersten Erdbeben kommt aber langsam etwas Alltag zurück nach Lombok: Die lokale Wirtschaft rappelt sich wieder auf. Wer etwa einen kleinen Laden hatte, ist nun mit einem kleinen Wagen unterwegs und verkauft Snacks, Tee und Kaffee. Was am wichtigsten aber für die Wirtschaft und die Menschen auf Lombok ist: Die Touristen müssen zurückkommen. Noch gibt es allerdings eine offizielle Reisewarnung für den Norden Lomboks.

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