In London ist eine Gesellschaft entstanden, die im Verborgenen lebt. In Hinterhöfen, Kellern oder Verschlägen wohnen die, die keine andere Möglichkeit haben. Auch weil es zu wenig günstigen Wohnraum gibt.

Es gibt Expertenschätzungen, die davon ausgehen, dass sich die Einwohnerzahl in manchen Londoner Gegenden verdoppelt haben könnte. Genaue Erfassungen gibt es nicht, aber Londons Stadträtin Susan Hall gab kürzlich zu: "In den Hintergärten unserer Städte entsteht eine verborgene Gesellschaft."

Diese Gesellschaft erforscht Emily Kelling. Sie schreibt ihre Doktorarbeit über informelles Wohnen. "Informelles Wohnen" heißt es korrekter Weise, weil das Wohnen in Garagen, Kellern, Verschlägen oder auf Dachböden nicht zwingend illegal ist.

"Bei informellem Wohnen geht es um ungenügende Wohnverhältnisse, die oft in der Grauzone zwischen Legalem und Illegalem stattfinden."
Emily Kelling über die Definition von informellem Wohnen
Beispiel für informelles Wohnen
© Emily Kelling | DRadio WIssen
Garagen oder Gartenhäuschen werden zu Wohnungen.

Profit aus der Not anderer schlagen

Wenn wir mal für ein Wochenende nach London fahren, werden wir davon wahrscheinlich gar nichts mitbekommen, es sei denn, wir suchen gezielt danach. Wie teuer selbst das informelle Wohnen ist, zeigen Internetanzeigen wie diese hier: Ein Gartenhäuschen wird für 650 Pfund angeboten.

Beispiel für informelles Wohnen.
Ein ausgebautes Gartenhäuschen in London. Für den Preis allerdings nicht im Zentrum.

Begonnen hat diese Entwicklung des informellen Wohnens schätzungsweise um das Jahr 2000 herum. Während die Elite der Welt in den Londoner Wohnungsmarkt investiert und die Preise immer weiter steigen, explodieren die Möglichkeiten, halb-illegal in zweiter Reihe - im Verborgenen - zu wohnen.

"Das sind ganz unterschiedliche Leute. Es sind die, die sich nichts anderes leisten können oder sonst unter Druck stehen. Leute, die kein Anrecht auf staatliche Unterstützung haben oder die Sprache nicht sprechen."
Emily Kelling über die Gründe für informelles Wohnen

Die Bezirke wünschen sich mehr Befugnisse, um gegen die Vermieter solcher Gartenhäuser vorgehen zu können. Die Verwaltung des Bezirks Harrow hat vor kurzem sogar mit einer Wärmebildkamera Fotos aus der Luft gemacht, worauf überall schlafende Menschen erkennbar waren, die in schlecht gedämmten Verschlägen und Lauben schliefen.