Der Reiseführer Lonely Planet Best in Travel empfiehlt für das Jahr 2019 nach Sri Lanka vor allem auch einen Besuch in Deutschland. Leider sind solche prominente Empfehlungen oft ein Riesenproblem – weil die Orte dann von Touristen überrannt werden. Deutschlandfunk-Nova-Reporter Christian Schmitt hat so einen Ort besucht.

In der Begründung, warum die Menschheit im Jahr 2019 unbedingt eine Reise nach Deutschland einplanen sollte, erwähnt der Lonely Planet das Jubiläum zum Mauerfall vor 30 Jahren, den 100. Jahrestag der Gründung des Bauhauses 1919 in Weimar oder den Mittelrhein.

Das Deutschland einen Platz unter den Top-Ten-Empfehlungen ergattern konnte, ist bereits neun Jahre her. Mit Platz zwei verweist Deutschland dieses Mal Länder wie Simbabwe, Panama und Indonesien auf die hinteren Ränge.

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Unter den Top-Städten 2018 ist allerdings kein deutscher Vertreter mit dabei. Auf Platz eins liegt Kopenhagen. Dahinter liegen Städte wie Shenzhen, Novi Sad und Dakar.

Empfehlung im Lonely Planet ist pures Gold wert

Eine Top-Platzierung im Lonely Planet oder Top-Bewertungen bei Tripadvisor können für Orte einen positiven Boom bedeuten, der die Wirtschaft kräftig ankurbelt. Auf der anderen Seite droht die Gefahr, dass gehypte Orte dann von Massen an Touristen überrannt werden. So ergeht es zurzeit Städten wie Venedig, Barcelona oder der Gardasee.

Auch das Schnitzelrestaurant Oma Kleinmann in Köln, dass bei Google und Tripadvisor Bewertungen mit fast voller Punktzahl einheimst, kann sich über mangelnde Kundschaft nicht beklagen. Selbst an einem normalen Abend, mitten in der Woche, ist es bei Oma Kleinmann brechend voll. Angefangen hat alles mit einer Nennung im Lonely Planet vor zehn Jahren als Top Choice German und heute ist das Restaurant regelmäßig ausgebucht.

“Da merkt man auch, dass man kein Deutsch mehr spricht, sondern viel mehr englisch. Dass wir eine englische Karte brauchen, eine französische, spanische und italienische Karte.“
Tore Küter, Betreiber vom Restaurant Oma Kleinmann in Köln

Aber irgendwann kann so eine Situation auch kippen, wenn Alteingesessene und Einheimische vergrault werden und ein offener Konflikt mit den Heerscharen von Touristen entsteht. Solche Fälle von "Overtourism" bedrohen aber nicht nur einzelne Kneipen, Restaurants oder Museen, sondern gleich ganze Städte. 

Overtourism bedroht die Infrastruktur vieler Städte

Dann ist die ganze Infrastruktur am Limit, der öffentliche Nahverkehr und die Flughäfen platzen aus allen Nähten und die Preise in der Gastronomie sind total überteuert. Paradebeispiel für Deutschland ist Berlin, sagt die Reisejournalistin Angelika Schwaff, die den Blog Reisefreunde betreibt. 

Für sie hat sich in Berlin in den vergangenen Jahren Einiges zum Schlechten verändert. Nicht zuletzt die Mietpreise, weil es zu viele Airbnbs oder illegale Ferienwohnungen gibt. Im Vergleich zu kleinen Orten, können Großstädte wie Berlin solche negativen Begleiterscheinungen aber besser wegstecken. 

“Eine kleine Insel in Thailand, die mal wirklich romantisch und idyllisch war. Die kann mit dem Müll und den Massen nicht umgehen und vielleicht auch mit der kulturellen Veränderung ihrer Insel nicht.“
Angelika Schwaff, Reisejournalistin und Betreiberin des Blogs Reisefreunde

Anders als die Bucht vor Ko Phi Phi in Thailand, die von Touristen aus der ganzen Welt überrannt wurde. Berühmt geworden durch den Film "The Beach" mit  Leonardo di Caprio. Ein Traumstrand, der irgendwann so vermüllt und zertrampelt war, dass die thailändische Regierung jetzt reagieren musste. Die Folge: Die Bucht wurde zum Sperrgebiet erklärt.