Los Angeles scheint den Atem anzuhalten: In Hollywood, dem Zentrum der US-amerikanischen Film- und Entertainmentindustrie, pausiert der größte Teil der TV-, Film- und Eventproduktionen aufgrund der Coronavirus-Pandemie. Das bedroht vor allem die Existenzen der Freischaffenden.

Los Angeles ist die zweitgrößte Stadt der USA – im Stadtgebiet leben rund vier Millionen Einwohner (2016) und in der erweiterten Metropolregion knapp 18 Millionen. Viele, die hier leben, arbeiten direkt in der Unterhaltungsindustrie oder sind indirekt davon abhängig.

Seit im März 2020 der Notstand in Kalifornien ausgerufen wurde, stehen viele Produktionen still. Die Filmindustrie schätzt den Verlust auf 20 Milliarden Dollar in diesem Jahr. Rund 120.000 Menschen haben von einem Tag auf den anderen ihre Beschäftigung verloren. Gerade Freischaffende leiden besonders unter dem Produktionsstopp. Dazu zählen zum Beispiel auch Kabelträgerinnnen, Produktionsassistentinnen und Kostümbildnerinnen. Hinzu kommen Menschen, die indirekt mit der Filmindustrie Geld verdienen, wie beispielsweise Caterer, die Schauspieler und Crew an Filmsetz mit Essen versorgen.

Kleinere Werbefilmproduktionen laufen noch unter den allergrößten Sicherheitsvorkehrungen weiter. So müssen sich die Teams in drei Gruppen aufteilen, die sich nicht mischen dürfen. Es sollen regelmäßig Coronavirus-Tests durchgeführt werden. Fiebermessen ist ebenfalls Teil der ständigen Kontrolle. Für sehr große Crews bei Hollywood Produktionen ist das ein Riesenaufwand.

Ein Mann geht mit einem Hund in L.A. spazieren.
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Seit im März der Notstand in L.A. ausgerufen wurde, stehen In der Entertainment-Metropole viele Produktionen still – das hat viele von einem Tag auf den anderen ihren Job gekostet.

Wer nicht genug arbeitet, qualifiziert sich nicht für das Arbeitslosengeld oder fliegt möglicherweise aus der Krankenkasse – fasst Katharina Wilhelm, DLF-Korrespondentin in Los Angeles, das Problem zusammen.

Gewerkschaft fordert: Menschen helfen, die aus dem System fliegen

L.A. zählt zu den teuersten Städten der USA: Die Lebenshaltungskosten sind hoch und eine Ein-Zimmer-Wohnung gibt es kaum unter 2.500 US-Dollar pro Monat. Rebecca Rhine, Direktorin der Film-Gewerkschaft International Cinematographers Guild will sich für die Freischaffenden in der Filmindustrie einsetzen, die drohen aus der sozialen Absicherung zu fliegen, weil sie keine Verträge mit Studios oder Produktionsfirmen haben.

"Das Letzte, was Sie in einer Gesundheitskrise wollen, sind weniger Menschen mit Gesundheitsleistungen."
Rebecca Rhine – Direktorin der International Cinematographers Guild zu der Kameraleute, Fotografinnen und Publizistinnen gehören – gegenüber dem Radiosender NPR.

Prominente Schauspielerinnen, Regisseurinnen und Kameraleute können diese Zeit wahrscheinlich noch einigermaßen gut überbrücken, weil sie Rücklagen schaffen konnten.

Als Make-up-Artistin Abstand wahren

Die Make-up-Artistin Alma Diffie hat vor Beginn der Pandemie Schauspielerinnen und Schauspieler für ihren Auftritt vor der Kamera gestylt. Aufgrund ihres Jobs muss sie nah an andere Leute herantreten, wenn sie sie beispielsweise das Gesicht schminkt.

Seit die Produktionen gestoppt wurden, hat sie viel Freizeit. Sie wurde zwar für Stylings von Privatleuten angefragt, war aber aufgrund der Pandemie so beunruhigt, dass sie keine Aufträge angenommen hat.

"Weil ich ein regelmäßiges Einkommen habe, konnte ich Arbeitslosenhilfe beantragen. Je nachdem, ob man Miete zahlt oder ein Haus abbezahlen muss, gibt es Regelungen mit Vermietern oder Banken, die Zahlungen aufzuschieben."
Alma Diffie, Make-up-Artistin in Los Angeles

Die Make-up-Artistin hat sich bei ihrer Gewerkschaft erkundigt, wie die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden sollen, wenn die Filmproduktionen wieder anlaufen. Demnächst muss sie dann einen Tisch ans Set mitbringen, der über spezielles UV-Licht verfügt, das Viren abtöten kann. Außerdem soll sie eine Mund-Nase-Maske, einen Gesichtsschutz und eine Schutzbrille tragen. Die Schminkutensilien müssen künftig alle einzeln verpackt sein und Alma Diffie muss aufpassen, dass sie Produkte nicht mehr miteinander vermischt.