Ein Kollektiv aus acht Freunden hat ein ehemaliges Bordell gekauft und daraus ein Hostel gemacht. Schuften ohne Chef und Hierarchien als Lebensprinzip.

Die Idee zum Kollektiv hat Ralf Hotanen gehabt. Von Beruf ist er Erzieher und Sozialpädagoge. Vor vier Jahren hat er seine Freunde dazu überredet, bei dem Kollektiv mitzumachen. Damals stand ein ehemaliges Bordell in Lübeck leer. 330 Quadratmeter ungenutzte Fläche. Kaufpreis: eine halbe Million Euro.

Finanziert hat das Kollektiv den Kauf und die Arbeiten zu einem Drittel mit privaten Krediten. Den Rest haben sie von einer Bank geliehen. Geld hat auch das Mietshäusersyndikat dazugegeben, ein Verbund selbstorganisierter Wohnprojekte. Dem Kollektiv ist es wichtig, dass sie nicht ihr eigenes Geld in das Projekt steckt.

"Wir wollten uns selbstorganisierte Arbeitsplätze schaffen, wo wir entspannt und auf Augenhöhe miteinander arbeiten können. Alle sind gleichberechtigt, verdienen gleich viel, egal für welche Tätigkeit."
Ralf Hotanen, Initiator des Kollektivbetriebs

Statt Arbeitsverträge gibt es im Kollektiv ein Statut. In dem steht, dass das Hostel ein anarchistischer, antikapitalistischer und queer-feministischer Freiraum sein soll. Entscheidungen werden basisdemokratisch und im Konsens getroffen. Im Streitfall soll ein Schiedsgericht schlichten.

"Diese Gemeinschaftliche ist ein ganz tolles Gefühl. Ich komme ja aus einer normalen Lohnarbeit und das möchte ich nicht nochmal eintauschen."
Svantje hat keine Lust mehr auf Hierarchien

Marketingfachfrau Svantje hat zuletzt für einen veganen Onlineshop gearbeitet. Raues Betriebsklima, Überstunden, hierarchisch organisiert. Darauf hat sie keine Lust mehr. Im Kollektiv legt jeder für sich sein Pensum fest. Druck mache man sich eher selbst, sagt sie.

Gleiche Arbeit für alle

Svantje hat im Hostel zum Beispiel ein Vier-Bett-Zimmer gestaltet: viel Grün, Efeutapete, Holz. Sonst ist ihre Aufgabe vor allem der Bürokram. Aber im Prinzip machen alle alles.

Svantjes Ziel ist: Irgendwann nur noch 20 Stunden in der Woche arbeiten zu müssen und damit rund 900 Euro netto im Monat zu verdienen - so viel brauche sie, um gut leben zu können. Svantje lebt in einem Bauwagen, Bio-Essen und Reisen seien ihre einziger Luxus.

Mit einer Eröffnungsparty feiert das Kollektiv den fertigen Umbau. Die Übernachtung in dem Hostel soll im Mehrbettzimmer ab 18 Euro pro Nacht kosten. Falls der Hostelbetrieb Miese macht, überlegt das Kollektiv es in ein Wohnprojekt umzufunktionieren.