Bei Ryanair fallen bis Ende Oktober täglich 40 bis 50 Flüge aus, insgesamt rund 2000. "Schwierigkeiten mit der Planung des Jahresurlaubs der Piloten für September und Oktober" sind laut Ryanair der Grund. Oder steckt da mehr dahinter?

Auf ihrer Website hat die Airline inzwischen verkündet, welche Verbindungen konkret betroffen sind: es sind Flüge kreuz und quer durch Europa, so der Luftfahrtexperte Cord Schellenberg.

"Teilweise bekommen die Passagiere die Message, dass ihr Flug ausfällt, extrem kurzfristig. Erst am Tag selbst oder am Abend vor dem Flug. Das ist kein Verhalten, wie man mit Kunden umgehen sollte."
Cord Schellenberg, Luftfahrtexperte

Wenn Ryanair kurzfristig streicht, sind Entschädigungen fällig, so Schellenberg. Ryanair-Chef Michael O’Leary habe inzwischen angekündigt, dass man auch bereit sei, diese Zahlungen zu leisten.

Ryanair will pünktlicher werden

Möglicherweise streicht Ryanair einzelne Flüge, um insgesamt pünktlicher zu werden, vermutet Cord Schellenberg. Wenn Bodenzeiten zu eng kalkuliert seien, dann leide das gesamte Flugnetz darunter: Verspätungen bauen sich immer weiter auf und das Flugzeug ist dann am Abend zum Beispiel zwei bis drei Stunden zu spät.

"Ryanair scheint zu versuchen, einzelne Flüge rauszunehmen, damit sie Puffer bekommen, um verspätete Flüge aufzufangen."
Cord Schellenberg, Luftfahrtexperte

Die Entschuldigung der Airline, sie habe "Schwierigkeiten mit der Planung des Jahresurlaubs der Piloten“ lässt Cord Schellenberg nicht gelten: Ryanair selbst sei immer sehr erfinderisch mit den Erklärungen. Wie viele Mitarbeiter man habe und wann diese wieviel Urlaub nehmen müssen, das sei für eine Fluggesellschaft Tagesgeschäft und rechtzeitig planbar.

Was hat Air Berlin damit zu tun?

Es gibt Spekulationen, dass Ryanair ganz bewusst genau jetzt eine Zahl an Fliegern zurückhält. Und zwar, um – wenn die insolvente Air Berlin ihre Flieger nicht mehr starten lassen darf – sofort einspringen zu können, wenn jemand für die freigewordenen Strecken gesucht wird.

Schellenberg hält solche Entwicklungen zumindest für möglich:

"Ryanair-Chef Michael O’Leary ist ein trickreicher Ire – ich denke mir, das hat der im Hinterkopf."
Cord Schellenberg, Luftfahrtexperte

Das Ganze sei zwar spekulativ, aber O’Leary müsse sich darauf einstellen, dass er gebeten wird, Flüge von Airberlin zu übernehmen. Eine ähnliche Rettungsaktion habe Ryanair schon einmal übernommen: in Ungarn, als die staatliche Fluggesellschaft Malév 2012 aus wirtschaftlichen Gründen den Dienst einstellte.