Die Zahl der Drohnensichtungen an deutschen Flughäfen geht steil nach oben. 2017 waren es 88 Drohnen, im Jahr 2018 bereits 158. Wird eine Drohne über einem Flughafengelände gesichtet, wird der Flughafen gesperrt. Starts und Landungen sind dann nicht mehr möglich. Der Hintergrund: Deutsche Flughäfen sind aktuell kaum vor potenziell bedrohlichen Drohnen geschützt.

Im Mai 2019 waren am Flughafen Frankfurt wegen einer Drohne etwa eine Stunde lang keine An- und Abflüge mehr möglich. Und diese Sperrung ist nicht übertrieben, denn sollte eine Drohne mit einem Flugzeug im Landeanflug oder beim Start kollidieren, kann das im schlimmsten Fall zum Absturz des Fliegers führen.

Eine Drohne kreist über einem Grundstück in der Luft
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Flugdrohne (Symbolbild)

Drohnen sind vom Flughafentower aus nicht erkennbar

Effektive Systeme, um Drohnen in Flughafennähe aufzuspüren, sind bisher nicht im Einsatz. Und vom Tower aus seien die Drohnen nicht erkennbar. Weder beim Blick durch die Towerfenster, noch auf dem Monitor, der das Luftlagebild zeigt, sagt Fluglotse Florian. Er ist 28 und regelt per Funk die Starts und Landungen im Tower des Düsseldorfer Flughafens.

"Auch auf dem Monitor mit dem Luftlagebild sind die Drohnen unsichtbar. Die Radarsysteme der Flugsicherung können sie nicht orten."
Florian, Fluglotse am Flughafen Düsseldorf

Die, die die Drohnen als erste sichteten, so Florian weiter, seien paradoxerweise die Piloten selbst. Und die meldeten die Drohnen dann auch an den Tower, in diesem Fall also an Florian und seine Kollegen. Der Fluglotse schaltet dann die Polizei ein. Denn nur ihr sei es gestattet, "die aktive Drohnenabwehr mit polizeilichen Mitteln vorzunehmen und Verantwortliche für den Verstoß zur Rechenschaft zu ziehen." So habe ihm die Bundespolizei das in schriftlicher Form mitgeteilt. Wie die Polizei dann genau vorgeht, bleibt in dem Papier allerdings vage.

Entdeckung und Beseitigung von Drohnen bisher nicht geregelt

Die Polizei fordert, Gesetze für die Luftfahrt anzupassen. Denn Drohnen seien im Luftverkehrsgesetz noch nicht konkret enthalten, erklärt Ute Otterbein von der Deutschen Flugsicherung.

"Bislang ist die Frage, wer genau für die Drohnendetektion verantwortlich ist, noch nicht ausformuliert."
Ute Otterbein, Deutsche Flugsicherung.

Am 11. Juni 2019 hat die EU allerdings festgelegt, dass Drohnen identifizierbar sein müssen. Die deutsche Rechtsprechung muss diese Vorgabe innerhalb eines Jahres umsetzen. Aber wie Drohnen entdeckt und abgewehrt werden sollen, ist noch nicht klar.

Anzeigetafel
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Flugdrohne (Symbolbild)

Ideen und Technologien dafür gibt es allerdings bereits von verschiedenen Firmen. Sensoren sollen dabei Funkfrequenz-Signale zwischen Fernsteuerung und Drohne erkennen und so die Position und die Flugroute feststellen können. Unter idealen Bedingungen sollte sich auch die Fernsteuerung des Piloten lokalisieren lassen, erklärt einer der Anbieter auf Nachfrage unseres Reporters. Ein anderes System arbeitet mit Nahbereichsradaren, Infrarotsensoren und optischen Kameras, erklärt ein anderer Hersteller. Bei beiden Lösungen sollen die Drohnen auch auf dem Luftlagebild, das die Lotsen im Tower vor sich haben, sichtbar werden, hat unser Reporter Christian Rex herausgefunden.

Wann aber die Gesetze geändert werden und die möglichen Technologien zum Einsatz kommen könnten, ist derzeit unklar. Bis dahin hat Lotse Florian im Tower nur die eine Möglichkeit: Allen Flugzeugen Bescheid zu geben, wenn er eine Drohne gesichtet hat.

"Dann würde man im Extremfall sagen: Okay, wir halten jetzt erst mal alle Anflüge an, es darf keiner mehr Düsseldorf anfliegen, wir schicken einen Polizeihelikopter raus."
Fluglotse Florian über das Handeln bei einer Drohnensichtung