Früher war klar: Eine Polizeimeldung - das ist kein Spaß. Der Tathergang wird in einer Aneinanderreihung möglichst vieler Substantivierungen möglichst exakt geschildert. Und heute: Da ist Lachen auf einmal nicht mehr verboten. Auf deutschen Polizeiwachen wird gedichtet und fabuliert. Sandra Müller sammelt die schönsten Beispiele auf polizeiprosa.de.

Die Nacht auf Samstag: Ein Clubbesucher belästigt Frauen, wird vom Türsteher rausgeschmissen und landet schließlich unsanft auf dem Asphalt, weil er auch noch ausfällig wird. In der Polizeimeldung liest sich das dann so: "Ein 33-jähiger Ebstorfer arbeitet positiv an seiner Unbeliebtheit."  So klingt es also, wenn Polizisten kreativ werden und in die Tasten hauen. 

Sandra Müller, freie Journalistin aus Tübingen, sammelt solche witzigen Meldungen auf polizeiprosa.de - in diesem Fall eine Pressemitteilung der Polizei Lüneburg vom 11. August. Die Idee dazu bezeichnet sie selbst als Schnapsidee. Vorausgegangen war ein Tag in ihrer Redaktion, an dem besonders schöne Polizeimeldungen eintrudelten. Die erste Idee: Sandra und ihre Kollegen wollten besonders witzige Meldungen auf die Bühne bringen. Das haben sie auch immer noch vor, aber bis es so weit ist, sammelt Sandra ausgefallene Polizeimeldungen auf ihrer Seite. 

"Das ist so ein Gelegenheits-Hobby-Feierabend-nebenbei-Vergnügen."
​Sandra Müller, polizeiprosa.de

Mittlerweile veröffentlicht die Polizei ihre Pressemitteilungen auch gesammelt im Netz. Und auch da guckt Sandra gerne rein. Oft wird sie aber auch bei ihrer täglichen Arbeit fündig. Polizeiprosa.de betreibt sie gemeinsam mit dem Deutschlandfunk-Journalisten Stefan Fries. Aber natürlich wissen auch Sandras Kollegen von ihrem Hobby und liefern fleißig Nachschub.   

Sandras liebste Polizeidienststellen sind übrigens Köln und Dortmund. Dort scheint es Gesetzeshüter zu geben, die wirklich sehr witzig sind. Aber auch Lüneburg tue sich immer wieder mit schönen Formulierungen hervor. Ganz allgemein hat Sandra beobachtet: Es hat sich etwas verändert auf den Polizeiwachen. Die Öffentlichkeitsarbeit wird Ernst genommen, viele Dienststellen posten auf Twitter und Facebook.  

"Man merkt es, dass die Polizei mehr Öffentlichkeitsarbeit machen will und dass das auch besser wird."
​Sandra Müller, polizeiprosa.de

Trotzdem bleiben die Pressemitteilungen ein besonderes Format. Auch im Jahr 2017 stößt sie immer noch auf unfreiwillig komische Exemplare, die im wahnsinnig sperrigen Polizeideutsch formuliert seien. Aber dann liest sie auch immer wieder Meldungen, bei denen klar ist: Wer das geschrieben hat, legt es darauf an, eine Geschichte zu erzählen. Und das macht Sandra besonders viel Spaß.