In Kenia sollen Frauen ihren Männern den Sex verweigern, um sie an die Wahlurne zu treiben. Das fordert die Parlamentsabgeordnete Mishi Mboko. Neben Wahlen wurden auch schon Kriege und Bauprojekte durch Sex-Streiks beeinflusst.

Die Idee, durch einen Sex-Streik gesellschaftliche Zustände zu verändern, reicht fast 2500 Jahre zurück. In der antiken Komödie Lysistrata des griechischen Dramatikers Aristophanes wollen die Frauen ihre Männer auf diese Weise dazu bewegen, den Peloponnesische Krieg unverzüglich zu beenden. In dem Stück ist der Streik zwar erfolgreich, im wirklichen Leben brauchte es allerdings einen waschechten Putsch, um wieder Frieden im Land einkehren zu lassen.

Durch das Stück wurde den Männer in der Antike vor Augen geführt, dass Frauen in der Realität keine Möglichkeiten hatten, politisch Einfluss zu nehmen.

Sex-Streik für gesellschaftliche Veränderungen

Der aktuelle Aufruf in Kenia soll den Ausgang der Parlamentswahl am 8. August in die Richtung beeinflussen, dass der derzeitige Präsident Uhuru Muigai Kenyatta abgewählt wird. Die Frauen wollen die Wahlentscheidung der Männer manipulieren, obwohl das eine freie, demokratische Entscheidung ist, die jeder Mensch ohne Druck für sich alleine treffen sollte. Dementsprechend gering hält die Kulturwissenschaftlerin Mithu Sanyal ihren Erfolg, obwohl 2009 ein erfolgreicher Sex-Streik durchgeführt wurde. Damals kam es nach den Wahlen zu Unruhen, bei denen mehr als 1000 Menschen ermordet wurden. Die Oppositionsparteien hatten annähernd gleich viel Stimmen. Nach einer Woche Sex-Streik wurde der Konflikt gelöst.

“Einer der Grundpfeiler der Demokratie sind freie Wahlen, da muss ich auch die Freiheit haben, nicht zu wählen.“
Mithu Sanyal, Kulturwissenschaftlerin

Dagegen hatte Sex-Streik in anderen Fällen wie Gewalt zwischen verfeindeten Gruppen zu beenden oder den Bau von Straßen und Wasserleitungen durchzusetzen, tatsächlich Erfolg.

In den Jahren 2002 und 2003 haben Frauen in Liberia zu einem Sex-Streik aufgerufen, um den seit 14 Jahren anhaltenden Bürgerkrieg zu beenden. Am Ende des Streiks wurde mit Ellen Johnson Sirleaf die erste weibliche Ministerpräsidentin Liberias gewählt und die Gewalt beendet. Allerdings hat der Sex-Streik selbst nahezu nichts bewirkt, aber er hat immerhin die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf Liberia gelenkt und auf diese Weise das Geschehen beeinflusst.