In den 1980er Jahren dominieren in der Popkultur konservative Männerbilder: Einzelgänger, Gauner, Krieger, Boxer, Geheimagenten, Künstler und Casanovas. Das hat das Männlichkeitsbild von Journalist Tobias Haberl geprägt. Wie wir gesamtgesellschaftlich zu einer moderneren Version von Männlichkeit kommen können, diskutiert er mit uns in Eine Stunde Liebe.

In seinem Buch "Der gekränkte Mann" bittet Tobias Haberl um Geduld mit einem konservativen Männertypus, wie er ihn selbst aus der Jugend in den 1980er Jahren kennt. Das waren Männer, die oft "gewalttätig, verletzend, unmoralisch – aber nie langweilig" sind.

"Auf jeden Fall hat es schon seine Richtigkeit, warum über Familienväter, die mit ihrem Hollandrad eine Stange Bio-Lauch vom Bauernmarkt besorgen, eher keine Filme gedreht werden", schreibt Tobias Haberl polemisch.

Austausch statt Cancel Culture

In Eine Stunde Liebe plädiert er dafür, nicht jeden Fehltritt von "alten weißen Männern" mit einem Twitter-Shitstorm zu quittieren, sondern mehr den Austausch zu suchen, auf dem Weg hin zu einem modernen Männlichkeitsbild. Der Redakteur des Süddeutsche Magazins erklärt auch, warum Putin für ihn ein Prototyp des "gekränkten Mannes" ist.

"Es ist ein Versuch, die Eskalationsspirale zu durchbrechen, bei der immer junge Feministinnen auf der einen Seite und alte weiße Männer auf der anderen übereinander sprechen, aber nicht miteinander."
Tobias Haberl, Autor

Dazu erzählt im Liebestagebuch Janina, wie sie nach einem Jahr ihre Affäre beendet hat, nachdem der Mann sich für seine feste Beziehung entschieden hat.