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In Italien hat der größte Mafia-Prozess seit 30 Jahren begonnen. Einige der rund 350 Angeklagten wurden in Deutschland festgenommen. Was Deutschland für die Mafia-Organisation 'Ndrangheta attraktiv macht, erklärt der deutsch-italienische Journalist Sandro Mattioli.

2007 wurden sechs Menschen vor einem italienischen Restaurant in Duisburg erschossen. Im Dezember 2018 haben Spezialeinheiten Wohnungen, Geschäfte und Restaurants in Deutschland, Belgien und den Niederlanden gestürmt und 84 Personen wegen Geldwäsche, Drogenhandel und Verstößen gegen das Waffenrecht verhaftet. Die Organisation hinter den Verbrechen: die italienische 'Ndrangheta. Im Oktober 2020 begann der Prozess in Deutschland.

"Die Mafia-Gefahr wird seit Jahrzehnten systematisch unterschätzt. Man geht nicht so gegen sie vor, wie man sollte."
Sandro Mattioli, Journalist und Vorsitzender des Vereins "Mafia?, Nein Danke!"

Aber: Die 'Ndrangheta, eine Mafia-Organisation aus dem süditalienischen Kalabrien, ist bereits seit den 1970er-Jahren in Deutschland aktiv. "Deutschland hat schon früh italienische Gastarbeiter angeworben. Damit gab es erste Anknüpfungspunkte für Mafiosi", erklärt der deutsch-italienische Journalist Sandro Mattioli. Er ist Vorsitzender des Berliner Vereins "Mafia? Nein Danke!", der für die Gefahren durch italienische Mafia-Gruppen in Deutschland sensibilisieren will. "Die Mafia-Gefahr wird seit Jahrzehnten systematisch unterschätzt. Man geht nicht so gegen sie vor, wie man sollte", sagt Sandro Mattioli.

Rund 3.000 'Ndrangheta-Mitglieder in Deutschland

Allerdings ist es nicht ganz einfach, den Einfluss der 'Ndrangheta in Deutschland zu bestimmen. Die Bundesregierung geht davon aus, dass sich etwa 800 bis 1.000 Mafiosi in Deutschland aufhalten. Italienische Staatsanwälte wie Nicola Gratteri, der gerade einen Prozess gegen rund 350 'Ndrangheta-Mitglieder führt, sprechen von mindestens 3.000 Mitgliedern in Deutschland. "Das sind deutlich dramatischere Zahlen", betont Sandro Mattioli.

"Filme zeigen nur einen Ausschnitt aus dem Wirken der 'Ndrangheta. Wir dürfen diesem Trugbild nicht erliegen."
Sandro Mattioli, Journalist und Vorsitzender des Vereins "Mafia? Nein Danke!"

Das illegale Hauptgeschäft der 'Ndrangheta dreht sich um Drogen. Mit dem Straßenverkauf gibt sie sich allerdings nicht ab: Sie ist im internationalen Großhandel aktiv und steht im direkten Kontakt zu den Produzenten, zum Beispiel in Kolumbien. Andere Geschäfte sind weniger offensichtlich, erklärt Sandro Mattioli. "Aber wir müssen davon ausgehen, dass dadurch auch Drogengeld nach Deutschland fließt." Dazu gebe es aber keine Ermittlungen.

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In Filmen, wie zum Beispiel im Jubiläums-Tatort "In der Familie", führt die 'Ndrangheta ihr Drogengeschäft aus Restaurants heraus. Laut Sandro Mattioli gibt es auch in der Realität diese Restaurants als Stützpunkte genauso wie die im Tatort dargestellte Brutalität. "Aber das ist nur eine reduzierte Sicht, nur ein Ausschnitt aus dem Wirken der 'Ndrangheta", erklärt der Journalist. Es sei ein Trugbild, dass die Mafia nur mit Restaurants zu tun hat.

Verbindung zu Unternehmen mit deutschen Inhabern

Es gebe auch Restaurants, die nichts mit der Mafia zu tun haben wollen und sich in Sandro Mattiolis Verein "Mafia? Nein Danke!" engagieren. Die Mafia stehe hingegen auch in Verbindung mit Unternehmen im Kapitalbereich, aus dem Bereich erneuerbare Energien und Unternehmen mit deutschen Inhabern. "Wir blenden wesentliche Bereiche systematisch aus, das sollten wir nicht tun", appelliert Sandro Mattioli.

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