Seit den Morden von Duisburg vor zehn Jahren ist die Polizei in Deutschland aufmerksamer geworden. Aber es gibt Hindernisse bei der Bekämpfung des organisierten Verbrechens.

Es hat nur Sekunden gedauert: Am frühen Morgen des 15. August 2007 werden vor der Duisburger Pizzeria Da Bruno sechs Menschen von Killern der kalabrischen Mafia 'Ndrangetha erschossen. Auch die Opfer sind Mafiosi. 

Das Attentat wurde aufgeklärt. Mehr als 100 Mafiosi wurden im Laufe der Ermittlungen festgenommen. Ein großer Schlag gegen die 'Ndrangehta. Aber nicht das Ende. Heute, zehn Jahre nach dem Attentat in Duisburg, ist die Mafia immer noch aktiv in Deutschland. Aber sie ist sehr still geworden, sagt David Schraven von Correctiv. Er ist Co-Autor des Buchs "Die Mafia in Deutschland".

"Wir wissen, dass die Mafia in vielen Branchen aktiv ist. Vom Baugewerbe angefangen zur Gastronomie bis zu erneuerbaren Energien."
David Schraven vom Recherchenetzwerk Correctiv!

Um so einen aufsehenerregenden Fall, wie den von Duisburg, zu vermeiden, werden die Leute ins Ausland gelockt und dort umgebracht. Die Folgen der Morde von Duisburg waren für die Ndrangehta gravierend. Nicht allein wegen der Festnahmen und Verurteilungen. 

"Die familiären Beziehungen sind aufgeklärt worden, die Geldflüsse sind aufgeklärt worden. Das war für die Gruppe, um die es ging, ein herber Rückschlag."
David Schraven vom Recherchenetzwerk Correctiv!

Verbrecherjagd mit Hindernissen

Vorher, sagt David Schraven, wurde die Mafia in Deutschland komplett ignoriert. Jetzt wird sie nur noch halb ignoriert. Mit den Auslandsmorden nutze die Mafia den Umstand aus, dass die Polizeibehörden international wenig zusammenarbeiten. Es sei aber auch schwierig, solche Fälle international überhaupt zu erkennen, räumt David Schraven ein. 

"Um die Nachricht, dass ein Mafioso in Erfurt verschwunden ist, kümmert sich erst mal keiner. Wenn der ein halbes Jahr später in einem Abflussrohr in Belgien auftaucht, weiß keiner, was passiert ist."
David Schraven vom Recherchenetzwerk Correctiv!

Das größte Problem bei der Überwachung von Mafiosi in Deutschland sei aber, dass die Polizei keine Übersetzer habe. Das heißt, selbst wenn die Gespräche abgehört werden, könnten Mitarbeiter der Polizei einfach nicht verstehen, was gesprochen wird. Vor allem deshalb, weil italienische Dialekte gesprochen werden. Die Übersetzer müssten teuer eingekauft werden – und genau das Geld sei nicht da, so David Schraven.

Ein weiteres Problem: Die Hürden für Überwachung sind sehr hoch. Das sei natürlich einerseits sehr sinnvoll, um die Mafia zu bekämpfen allerdings auch ein großes Hindernis. Denn die Polizei bekomme nicht mit, was geplant wird. Und das dritte Problem: Mitglied in der Mafia zu sein ist in Deutschland nicht strafbar.

"Die Mafia kann hier auch ein Vereinsheim eröffnen, wo die oben drauf schreiben: Hier trifft sich die Mafia. Das hätte überhaupt keine Auswirkungen."
David Schraven vom Recherchenetzwerk Correctiv!

Zusammen mit seinen Kollegen von Correctiv! hat David Schraven eine Karte zusammengestellt, auf denen alle aus Verfahren bekannten Mafiamitglieder aufgelistet sind – und Leute, die direkt mit der Mafia kooperieren. Knapp 1200 Leute sind darauf verzeichnet, verbreitet in ganz Deutschland.