Dass Fahrradwege bleiben, gilt nicht immer. In manchen Großstädten werden sie auch zurückgebaut. Was oft fehlt, ist ein ganzheitliches Konzept.

Noch liegt der Fokus bei innerstädtischen Verkehrskonzepten auf dem Auto. Wege von A nach B sind in der Regel Autostraßen, keine Fuß- oder Radwege. Dass das nicht so bleiben muss, zeigen Diskussionen darüber, ob dem Fahrrad nicht eine höhere Priorität eingeräumt werden könnte. Zum Beispiel, indem manche Straßen für den Autoverkehr komplett gesperrt oder zumindest eine von mehreren Spuren für Fahrräder reserviert werden könnten.

Nicht nur der Wille vieler Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohner befeuert diesen Verkehrswandel, auch die technische Entwicklung trägt dazu bei, etwa E-Bikes und Lastenräder, mit denen mehrere Kinder oder ein großer Einkauf transportiert werden können. Nur: Das Einrichten von Fahrradwegen führt oft dazu, dass Autofahrer benachteiligt werden.

"Das Projekt Mainkai ist wegen Halbherzigkeit gescheitert. Man hat zum Beispiel keine Bäume gepflanzt, es ist nicht grün, und man hört auch kein Vogelgezwitscher."
Ludger Fittkau, Deutschlandfunk-Korrespondent für Hessen

So zum Beispiel in Frankfurt am Main. Seit rund einem Jahr ist dort der ein Kilometer lange Mainkai für Autofahrer gesperrt, eine dreispurige Straße direkt am Main. Die Sperrung war umstritten, galt als Versuch. Jetzt, ein Jahr später, hebt die Stadtverwaltung die Sperrung wieder auf. Es sollen wieder Autos und LKW auf der Straße fahren dürfen. Und: Auch diese Entscheidung ist umstritten.

  • Befürworter der Sperrung für Autos argumentieren: Ein gesperrter Mainkai könnte der Anfang eines neuen Verkehrskonzeptes für Frankfurt sein. Zudem gebe es dort jetzt einen Ort, wo sich städtisches Leben entfalten kann.
  • Kritiker sagen: Ein gesperrter Mainkai sorgt nicht für mehr Fahrräder und weniger Autos. Die Autos sind einfach woanders. So plädieren zum Beispiel Bürgerinitiativen betroffener Stadtteile dafür, den Mainkai wieder zu öffnen, weil sie durch die Sperrung eine höhere Verkehrsbelastung hätten.

Der Deutschlandfunk-Korrespondent für Hessen Ludger Fittkau sagt, das größte Problem am Meinkai sei "Halbherzigkeit" gewesen. Es wurde lediglich ein 900 Meter langer Abschnitt mit Betonblöcken gesperrt, doch sonst gab es kein Konzept für die Fläche. "Das war einfach eine große Asphatlfläche, und da sollten die Leute halt gucken, was sie damit machen", sagt Ludger Fittkau.

Andreas Bürger von der Initiative Mainkai kritisiert in der Frankfurter Rundschau das Fehlen eines Mobilitätskonzeptes. Er sagt: "Mobilität und Stadtgesellschaft müssen gemeinsam neu und ganzheitlich gedacht werden."

Pop-Up-Fahrradwege verschwinden auch in anderen Städten

Zwar ist das Umwandeln von Teilen des Mainkais in eine Fahrradstraße kein klassischer Pop-Up-Fahrradweg, wie er in Corona-Zeiten in vielen Städten entstanden ist – doch wie bei den Pop-Up-Fahrradwegen gilt auch hier das Prinzip des Provisoriums: Wir richten hier mal einen Fahrradweg und gucken dann weiter.

In diversen Großstädten Deutschlands sind temporäre Fahrradwege entstanden, um dem erwarteten erhöhten Fahrradfahraufkommen gerecht zu werden, weil mehr Menschen Fahrrad statt mit Bus und Bahn fahren. Vielerorts das Problem: Sie sind ein Provisorium und deshalb oft nicht sicher.

Unter anderem deshalb werden sie vielerorts wieder abgebaut, zum Beispiel in Düsseldorf, Cecilienallee. Eine Ausnahme: Berlin. Ein großer Unterschied zu anderen Städten ist das Mobilitätsgesetz, das 2018 verabschiedet wurde. Es ermöglicht der Berliner Stadtverwaltung, Fahrräder bei der Verkehrsplanung bevorzugt zu behandeln. Einige Pop-Up-Radwege sollen also tatsächlich auch zu dauerhaften ausgebaut werden.