In Malawi haben Schulen zwar oft Computer, aber kein Internet, weil es einfach zu teuer ist. Die Abiturienten Niels Kunz und Frederik Bachmann wollen deshalb digitale Bibliotheken installieren, die auch offline genutzt werden können.

Als Niels Kunz und Frederik Bachmann im vergangenen Jahr im Rahmen einer Schulpartnerschaft in Malawi waren, fiel der Bibliotheks-Atlas in ihren Händen fast auseinander. Deutschland war auf der Karte noch geteilt, der Atlas also schon mehrere Jahrzehnte alt.

Zurück in Deutschland haben die beiden Jungs ihr Abitur mittlerweile abgeschlossen. Jetzt wollen sie die Bildung in dem ostafrikanischen Land verbessern. Dafür haben sie am Center for Advanced Internetstudies in Bochum das Pilotprojekt "Digital Libraries für Malawi" gestartet. Ihr Ziel: An zunächst drei Schulen in Malawi wollen sie digitale Bibliotheken installieren.

"Library Box" als Herzstück des Projekts

Dafür stellen Niels und Frederik einen Mini-Server zur Verfügung, die sogenannte "Library Box". "Dort sind verschiedene digitale Inhalte gespeichert, auf die die Lehrer und Schüler zugreifen und die Materialien dann für den Unterricht benutzen können, aber auch außerhalb des Unterrichts zur Fortbildung und eigenen Recherche", sagt Niels Kunz. Vor allem Open-Source-Anwendungen wie Wikipedia, WikiBooks, frei zugängliche Bücher oder Simulationen sollen auf der Box installiert werden. Die Inhalte können dann von anderen Endgeräten wie Smartphones, Computern oder Tablets abgerufen werden.

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Das Wichtige dabei: Die Inhalte können auch offline genutzt werden. Das Problem in Malawi ist nämlich, dass viele Schulen zwar Computer haben, der Internetzugang aber zu teuer ist oder die Computer mit Viren befallen sind, sagt Freddy.

"Was bringt es, irgendwelche Geräte hinzubringen, mit denen man aufs Internet zugreifen kann, wenn das Internet zu teuer und oft gar nicht da ist?"

Deshalb sollen die Geräte, die im Rahmen des Projekts eingesetzt werden, an die örtlichen Gegebenheiten angepasst sein: Sie sollen nicht nur offline nutzbar sein, sondern auch wartungsarm, kostengünstig und von langer Lebensdauer.

Nachhaltig gestalten

Noch in diesem Jahr fliegen Niels und Frederik nach Malawi, um die Installation der Technik Anfang 2018 vorzubereiten. Besonders wichtig ist ihnen dabei, alle Beteiligten vor Ort mit einzubinden und das Projekt nachhaltig zu gestalten.

"Wir wollen gemeinsam mit den Lehrern und den Schülern das Projekt stemmen und vorbereiten, damit wir nicht irgendeine Technik überstülpen, sondern dass es aus gemeinsamer Arbeit heraus entsteht und dann auch weitergeführt wird."
Niels Kunz über das Projekt

Im kommenden Jahr werden die beiden dann mehrere Monate in Malawi
verbringen, um die Lehrer und Schüler in der Testphase zu begleiten und bei Fragen und Schwierigkeiten zur Verfügung zu stehen. Auch wissenschaftlich begleiten sie das Projekt und führen eine Evaluation durch, um es dann auch ausbauen zu können. Weitere Organisationen aus Malawi haben ihr Interesse nämlich schon angemeldet.