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Zwar sind im Fernsehen inzwischen mehr Frauen zu sehen, Männer dominieren aber weiterhin, so ein Ergebnis einer Studie der Malisa-Stiftung. Und bei Menschen mit Migrationshintergrund, Behinderung oder aus der queeren Szene sieht es noch schlimmer aus.

In Filmen und Serien verschwinden Frauen über 30 nicht mehr komplett in der Versenkung. So sarkastisch fasst Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anna Wollner ein Ergebnis der Studie "Sichtbarkeit und Vielfalt" für den Bereich TV zusammen. Dabei sei das tatsächlich ein positives Ergebnis, mit dem nicht einmal Expertinnen und Experten gerechnet hätten, so Anna Wollner.

Männlich, hetero und deutsch – immer noch auf dem Vormarsch

2017, als die erste Studie der von Schauspielerin Maria Furtwängler und ihrer Tochter Elisabeth gegründeten Malisa-Stiftung veröffentlicht wurde, war das Verhältnis noch krasser: Frauen auf dem Bildschirm waren vorzugsweise jung, das heißt unter 30. Ab 50 Jahren kamen auf eine Frau im Fernsehen drei Männer.

"Im fiktionalen Bereich gibt es eine Annäherung an die Wirklichkeit. Bei Frauen zwischen 50 und 59 gibt es im Vergleich zu vor vier Jahren zehn Prozent mehr Sichtbarkeit."
Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anna Wollner über Frauen im deutschen TV

Dennoch zeigt die nun veröffentlichte Studie, was unverändert geblieben ist: Männer dominieren. Bezogen auf das gesamte TV-Programm sind doppelt so viele Männer zu sehen wie Frauen. "Knapp 90 Prozent aller Quizshows und Unterhaltungsformate und dreiviertel aller Late-Night-Formate werden von Moderatoren präsentiert", sagt Anna Wollner. Zumindest aber in Informationssendungen sei das Verhältnis von Männern und Frauen inzwischen annähernd ausgewogen.

"Im Unterhaltungsbereich muss man Moderatorinnen mit der Lupe suchen. Auch in Informationssendungen treten Männer immer noch öfter als Experten auf – sogar in Berufsfeldern, in denen überwiegend Frauen arbeiten."
Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anna Wollner über Frauen im deutschen TV

Homosexualität immer noch kaum sichtbar

Die Studie schaut auch auf die Darstellung von Menschen mit Behinderungen, Menschen mit Migrationshintergrund und den queeren Bereich. Die Zahlen hier seien ernüchternd, sagt Anna Wollner. In dem zweiwöchigen Untersuchungszeitraum kamen gemessen an allen Figuren in fiktiven Formaten nur 0,9 Prozent Homosexuelle vor. Zum Vergleich: In der Realität machen Homo- und Bisexuelle knapp drei Prozent der Bevölkerung aus.

Menschen mit schwerer Behinderung am wenigsten dargestellt

Menschen mit schwerer Behinderung werden am wenigsten dargestellt. Die Quote lag bezogen auf das gesamte Fernsehprogramm 2020 bei gerade einmal 0,4 Prozent. Gemessen an der Häufigkeit der Behinderung in der Gesellschaft müsste sie laut Berechnungen der Malisa-Stiftung bei fünf bis sechs Prozent liegen. Herne Raul Krauthausen von den Sozialhelden kritisiert dabei die sogenannten Leuchtturmprojekte der Fernsehsender – gleich ob privat oder öffentlich-rechtlich. Da gebe es eine Woche im Jahr zum Thema Behinderung, in der übrigen Zeit würde wieder nur die "mehrheitsdominierten Gruppen" gezeigt.

"Das Problem ist, dass diejenigen, die jetzt ein diverseres und vielfältigeres Programm machen sollen, überwiegend die sind, die das jahrzehntelang nicht getan haben."
Anna Wollner über die deutsche Fernsehbranche

Menschen mit Migrationshintergrund machen rund 26 Prozent der Bevölkerung in Deutschland aus. In Fernsehproduktionen wurden sie 2020 zu elf Prozent dargestellt, 2016 waren es noch acht Prozent.

Für Studieninitiatorin Maria Furtwängler ergibt sich daraus eine klare Aufgabe: "Es gilt bereits bestehende Maßnahmen zu stärken und weitere auf den Weg zu bringen, um die Diversität unserer Gesellschaft insgesamt besser abzubilden." Deswegen kündigt sie jetzt schon die nächste Studie für in vier Jahren an.