Alte Gebäude, die zum Teil schon seit über dreißig Jahren leer stehen, stürzen in Städten wie Leipzig immer wieder einmal ein. Alexander Moritz, unser Korrespondent in Sachsen, hat recherchiert, weshalb das nicht verhindert wird.

Vor einigen Wochen stand das Gebäude an der Rosa-Luxemburg-Straße noch. Ein ziemlich heruntergekommenes, altes, braunes Haus mit einem großen Loch im Dach. Insgesamt war es aber ein schönes Gebäude, findet unser Korrespondent Alexander Moritz.

"Es hatte Potential, dass es Teil einer schönen Ecke hätte werden können. Deswegen ist es ein bisschen schade, dass es jetzt einfach weggerissen wird.“
Bewohner eines Hauses in der Rosa-Luxemburg-Straße in Leipzig

Vor ein paar Tagen ist ein Teil des Gebäudes eingestürzt. Daraufhin wurde das ganze Haus abgerissen. An der Stelle, wo es zuvor gestanden hat, befindet sich nun ein meterhoher Schutthaufen: zerbröckelte Ziegelsteine, zersplitterte Balken, verknäulte Tapetenreste. Ein Bagger ist angerückt, um die Reste des vierstöckigen Wohnhauses zu entfernen.

Ein junger Mann aus einem benachbarten Haus unserem Korrespondenten, er bedauere, dass es das Gebäude nicht mehr gibt.

Manche Häuser stehen seit den 1990er Jahren leer

Allerdings ist es keine Seltenheit, dass in Leipzig marode Altbauten einstürzen, sagt Alexander Moritz. Schon seit der Wiedervereinigung stehen viele Wohnhäuser leer. Zehntausende zogen damals weg, weil ihre Jobs sich marktwirtschaftlich nicht rentierten und wegrationalisiert wurden.

Zwischen 1990 und 2000 ist die Stadt um ein Fünftel geschrumpft. In dieser Zeit standen ganze Straßenzüge leer. Die Häuser wurden sich selbst überlassen.

Auch vor der Wende gab es Gebäude, die jahrelang nicht richtig instand gehalten worden waren. Häuser, die immer baufälliger wurden und irgendwann einfach zusammengefallen sind, bestätigt der Stadtsoziologe Dieter Rink.

"Dort ist seit Jahrzehnten, schon in DDR-Zeiten, nichts passiert. Danach auch nicht – und irgendwann ist dann eben das Ende für diese Häuser erreicht."
Dieter Rink, Stadtsoziologe am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig

Nicht nur in Leipzig gibt es dieses Problem – auch in vielen anderen ostdeutschen Städten kommt es vor, dass Gebäude einstürzen, so der Stadtsoziologe. Als Beispiele nennt er Städte wie Perleberg, Wittenberge, Görlitz, Zwickau und Plauen.

Die Stadt kann nicht viel gegen den Leerstand tun

Eine Ursache, dass die Häuser verkommen, liegt darin, dass sie leer stehen, sagt Dieter Rink. Dafür gebe es unterschiedliche Gründe: Oft seien Eigentümer*innen nicht erreichbar oder eine Eigentümergemeinschaft könne sich nicht einigen oder das Eigenkapital fehle. Städte können dagegen kaum etwas tun, sagt der Stadtsoziologe.

In Leipzig wird nun darüber beraten, wie Hausbesitzer*innen Fördergelder für denkmalgerechte Sanierung zur Verfügung gestellt werden können – oder zumindest, um die Gebäude abzusichern, sagt Dieter Rink. Rund 250 Häuser aus der Gründerzeit stünden zurzeit in Leipzig leer, schätzt der Stadtsoziologe.

Immobilienspekulation trägt zum Verfall bei

Spekulation kann auch ein Grund dafür sein, dass Hausbesitzer*innen die Häuser nicht sanieren und somit sich selbst überlassen. Sie spekulieren möglicherweise darauf, dass sie die Grundstücke und Gebäude in ein paar Jahren noch teurer verkaufen können. Nach der Wende waren es vor allem westdeutsche Anleger*innen, die beispielsweise in Leipzig Häuser gekauft haben, um dadurch Gewinne zu erzielen.