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Es ist eine schockierende Nachricht aus dem nordafrikanischen Marokko: Dort hat sich ein 25-jähriger Mann aus Verzweiflung selbst angezündet und ist an seinen Verletzungen gestorben. Vor allem junge Menschen haben den Todesfall zum Anlass für Proteste gegen Polizeiwillkür und Missbrauch durch Behörden genommen.

Der traurige Vorfall hat sich bereits Ende Juli in der marokkanischen Stadt Siri Bennour ereignet. Hier hat sich der 25-jährige Yassin Lekhmidi offenbar selbst angezündet und ist kürzlich an seinen Verletzungen verstorben. Der Grund: Der Lebensmittel-Karren, mit dem er und seine Familie ihren Lebensunterhalt bestreiten, sei von den marokkanischen Behörden konfisziert worden. Das berichtet die ARD-Korrespondentin für Marokko, Dunja Sadaqi, nach Aussagen der Familie.

Proteste gegen Polizeigewalt und Behörden-Willkür

Die Beamten sollen Yassine geschlagen und misshandelt haben. Und sie sollen sich geweigert haben, ihm seinen Karren wiederzugeben. Die Familie sagte in Interviews außerdem, dass die Art, wie die Behörden Yassine behandelt hätten, ihn psychisch fertig gemacht habe. Die Verzweiflung sei schließlich der Grund gewesen, warum Yassine sich selbst angezündet habe.

"Seine Familie hat in Interviews gesagt, wie die Behörden Yassine behandelt hätten, habe ihn psychisch fertig gemacht. Daraufhin soll Yassine sich aus Verzweiflung selbst angezündet haben."
Dunja Sadaqi, ARD-Korrespondentin für Marokko

Die schreckliche Nachricht des jungen Yassine erinnert an den Fall eines tunesischen Gemüsehändlers, der sich vor zehn Jahren aus einem ähnlichen Grund selbst anzündete und später verstarb. In Tunesien löste das landesweite Proteste aus, die dann als Auslöser des Arabischen Frühlings bekannt wurden.

Junge Menschen ohne Perspektiven

Tatsächlich kam es in Marokko als Ausdruck absoluter Verzweiflung häufiger zu Selbstverbrennungen, sagt Dunja Sadaqi. Es liege vor allem an der Situation vieler Menschen in dem Land, weshalb sich manche von ihnen zu solchen Mitteln greifen. Beispielsweise ist die Jugendarbeitslosigkeit - auch schon vor der Coronavirus-Pandemie - sehr hoch gewesen. In Großstädten liegt sie bei über 40 Prozent.

Selbst junge Leute mit guter Ausbildung würden keinen Job finden, beziehungsweise eine Beschäftigung, von der sie leben könnten. Zahlreiche Menschen leben von Gelegenheitsjobs und von der Hand in den Mund, sagt Dunja Sadaqi. Viele wollen weg, denn sie sähen für sich keine Perspektive.